Sport : Der Schnee von morgen

Zum fünften Mal starten die Langläufer heute in Düsseldorf in die Weltcupsaison

Benedikt Voigt

Berlin - Es klingt wie eine Nachricht aus der klimagewandelten Zukunft: Das Weltcuprennen der Alpinen Skirennläufer auf dem Rettenbachgletscher in Sölden ist abgesagt worden, weil das Wetter in den Alpen zu warm war. Dafür können die Langläufer heute in Düsseldorf am Rhein problemlos in ihre Saison starten.

Doch der Klimawandel ist noch nicht so weit fortgeschritten, dass es im Oktober in Düsseldorf schneien würde. Vielmehr machen es 4000 Kubikmeter Kunstschnee aus der Skihalle Neuss möglich, dass heute am Rhein zum fünften Mal die Saison der Langläufer gestartet werden kann. Der Internationale Skiverband (Fis) will an diesem ungewöhnlichen Ort ein neues Publikum erschließen. „Aber das ist nicht nur eine Marketing-Maßnahme“, sagt Fis-Renndirektor Jürgen Capol, „es gibt genau so viele Weltcuppunkte wie bei jedem anderen Rennen.“

Kurios ist trotzdem, dass der Weltcup in Düsseldorf so gut wie nicht ausfallen kann, weil der Kunstschnee und das Kühlsystem beinahe jeder Witterung standhalten. „Nur ein Orkan könnte uns Schwierigkeiten bereiten“, sagt Jürgen Capol. Das warme Wetter von zehn bis 15 Grad, das für das Wochenende in Düsseldorf vorhergesagt ist, kann den 180 LKW-Ladungen Schnee nichts anhaben. Er ist bereits in der Halle auf minus 17 Grad Celsius heruntergekühlt worden. Bundestrainer Jochen Behle bestätigte die gute Qualität des Schnees. Warum also läuft man nicht immer auf Kunstschnee?

„Die Städtesprints sind gute Farbtupfer im Weltcupprogramm“, sagt Jürgen Capol, „aber grundsätzlich ist Langlaufen in der Natur zu Hause, wo man Kilometer weit laufen kann.“ In Düsseldorf hingegen ist nur ein kurzer Rundkurs über 830 Meter mit Schnee ausgelegt. Lediglich Einzelsprints und Teamsprints können dort ausgetragen werden. Die deutsche Langläuferin Claudia Künzel sagt: „Das ist sicherlich mehr Show als Wettkampf.“ Die ARD hat auch eine Live-Übertragung abgelehnt. „Wintersport im Oktober ist der ARD zu früh“, berichtet Jürgen Capol. Nun zeigt der WDR die Rennen heute ab 13 Uhr live. Auch in Norwegen, Schweden und Finnland übertragen Fernsehstationen den ersten Weltcup dieses sogar in Österreich noch nicht vorhandenen Winters.

Die Düsseldorfer Kinder profitieren übrigens nicht vom kurzzeitigen Wintereinbruch an den Rheinterrassen. Wenn der Teamsprint beendet ist, wird der Kunstschnee schnell wieder abtransportiert. Aus Versicherungsgründen, damit sich niemand im Schnee verletzen kann. Die Kinder müssen weiter warten. Bis richtiger Schnee fällt.

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