Sport : Der Schock von Cardiff

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Von Markus Hesselmann

Cardiff. Rudi Völler hat so manches versucht, um seine Mannschaft in Weltmeisterschaftsstimmung zu bringen. Ließ die Hallendecke des Millennium-Stadions von Cardiff schließen, um die Atmosphäre zu imitieren, die das deutsche Team am 1. Juni beim WM-Auftaktspiel in Sapporo erwartet. Suchte in Wales einen Gegner aus, der ähnlich spielt, wie der zweite WM-Gegner Irland. Setzte in Sebastian Deisler einen Spieler von Beginn ein, der bei der Weltmeisterschaft Verantwortung übernehmen soll. Doch sein Team spielte nicht mit. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bot im vorletzten Testspiel nur wenig Ansehnliches und leistete sich beim 0:1 (0:0) sogar die zweite Niederlage gegen Wales im dreizehnten Länderspiel. In Robert Earnshaw hatte der beste Spieler des Tages den entscheidenden Treffer erzielt.

Völler musste auf die Leverkusener Nationalspieler verzichten, die heute das Champions-League-Finale bestreiten. Die Abwesenheit von Oliver Neuville, Bernd Schneider, Carsten Ramelow und Michael Ballack wirkte sich negativ auf den Spielaufbau aus. So hätte die Rückpassquote in der ersten Halbzeit jedem walisischen Rugbyspiel zur Ehre gereicht. Immerhin konnte Sebastian Deisler in seinem ersten Spiel von Beginn an nach seiner Verletzungspause Akzente setzen. Beim 7:0 im Testspiel am Freitag gegen Kuwait hatte der zukünftige Spieler des FC Bayern München bereits einen Treffer erzielt.

Doch die Waliser besitzen mehr Klasse als die Mannschaft aus Kuwait. Das musste Torwart Oliver Kahn bereits nach vier Minuten bemerken, als der Waliser Ryan Giggs alleine auf ihn zulief. Mit großer Mühe riss er beide Hände hoch und verhinderte einen überraschenden Rückstand. Die deutsche Mannschaft besaß nach diesem ersten Schock zwar öfters den Ball, konnte damit aber nichts anfangen. Christian Ziege schoss den Ball mit links über das Tor, Linke verfehlte mit einem Kopfball das Ziel um mehrere Meter. Chancen aber durfte man das nicht nennen. Trotzdem sagte Bundestrainer Michael Skibbe in der Halbzeitpause: „Wir wollen das Spiel gewinnen.“

Nur 13 Sekunden nach Wiederanpfiff lag der Ball dann auch im Tor. Allerdings in dem der deutschen Mannschaft. Nach Thomas Linkes Fehlpass tanzte Robert Earnshaw gleich zwei deutsche Abwehrspieler aus. Christian Ziege und Christoph Metzelder sahen zu, wie der Stürmer vom englischen Drittligisten Cardiff FC den Ball mit links in das Tor schoss (46.). Earnshaw, der sein erstes Länderspiel für Wales machte, bereitete den deutschen Abwehrspielern größte Schwierigkeiten. Kurze Zeit später rettete sie nur der Abseitspfiff von Schiedsrichter Olsen vor dem zweiten Gegentor durch Earnshaw. Die deutsche Viererkette mit Jörg Heinrich, Christoph Metzelder, Thomas Linke und Christian Ziege hinterließ einen schwachen Eindruck. Der Verlust von Jens Nowotny, der mit einem Kreuzbandriss für die WM ausfällt, wiegt offensichtlich schwer. Bei einem Konter über Ryan Giggs erwischte Simon Davies seine Flanke nur knapp.

Erst als Rudi Völler sich entschloss, Gerald Asamoah, Marco Bode und Carsten Jancker einzuwechseln, begann die deutsche Mannschaft in den letzten zwanzig Minuten das Tor der Gastgeber zu belagern. Von Oliver Bierhoff war in 72 Minuten nichts zu sehen gewesen. Anders die Eingewechselten. Nach einer Flanke seines Bremer Teamkollegens Torsten Frings köpfte Bode den Ball an den Pfosten. Kurz vor dem Ende tat es ihm Jancker gleich. Die Deutschen belagerten in der Schlussphase das Waliser Tor, doch der Stadionsprecher kürte Earnshaw schon ein paar Minuten vor dem Schlusspfiff zum besten Spieler. Er sollte Recht behalten. Am Ende musste man sich fragen, welche der beiden Teams nach Japan zur Fußball Weltmeisterschaft fährt.

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