Sport : Der schwere Abschied eines Teamplayers

SCC-Volleyballer loben Olympiasieger Touzinskys Siegermentalität – doch für einen Vertrag ist das zu wenig

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Foto: Paul Zinken
Foto: Paul Zinken

Berlin - Kaweh Niroomand hatte diesen schlaksigen, hochgewachsenen Mann im Arm, er wollte Scott Touzinsky gratulieren und damit auch mit ihm diese Atmosphäre genießen. Der SC Charlottenburg, das Team, in dem Niroomand Manager ist, stand seit ein paar Minuten im Finale der deutschen Volleyball-Meisterschaft. Der SCC mit Außenangreifer Touzinsky hatte das entscheidende Halbfinal-Spiel gegen Haching gewonnen. Aber Scott Touzinsky aus St. Louis, USA, blickte den Manager nur an und sagte: „Kaweh, wir sind erst am Beginn unseres Weges.“ Im Klartext: Party können wir machen, wenn wir Meister sind.

Bei Niroomand hat sich diese Szene eingeprägt. Sie sagt viel aus. Sie erklärt, weshalb sich der SCC so schwer damit getan hat, Touzinsky keinen neuen Vertrag anzubieten. Gestern wurde dieser Entschluss offiziell bekannt gegeben.

Es gibt zwei Touzinskys. Es gibt den Führungsspieler, den vielfachen US-Nationalspieler, der diese typisch amerikanische Siegermentalität besitzt und ausstrahlt. „Er hatte einen sehr positiven Einfluss auf seine Mitspieler“, sagt Niroomand, „ein absoluter Teamplayer.“ Touzinsky sagte nach verpassten Punkten: „Come on, boys.“ Deutsche Spieler, hat Niroomand bei einigen Gegnern beobachtet, „haben in so einer Situation die Köpfe hängen lassen.“ Touzinsky ist Olympiasieger, er gewann 2008 Gold mit dem US-Team, er hätte überheblich und selbstgerecht den Star geben können. Er hat es nie gemacht. Das ist der menschliche Part bei dieser Geschichte.

Es gibt aber auch noch den sportlichen Part. „Und da“, sagt Niroomand, „muss man sagen, dass wir uns mehr von ihm im Angriff erwartet hatten.“ Der 28-Jährige ist ein exzellenter Annahmespieler, aber er bot im Angriff, im Block, bei den Aufgaben nicht die Leistung, die sie beim SCC von ihm erhofft hatten. SCC-Coach Mark Lebedew hatte ihn früher schon mal trainiert, der SCC hatte natürlich vieles über den US-Amerikaner gehört, sie hatten sich einiges von ihm erwartet. Aber dann gab es Szenen wie im zweiten Finalspiel gegen den VfB Friedrichshafen. Tiebreak, Touzinsky schlug halbherzig, zweimal in drei Minuten scheiterte er am VfB-Block. Der SCC wurde nicht Meister.

Nach der Saison haben sie eine Kosten-Nutzen-Analyse beim SCC aufgestellt. Da war einerseits Touzinsky, der „zu den Spitzenverdienern gehörte“ (Niroomand), und dann der Außenangreifer Touzinsky mit seiner Leistung. Irgendwann war die Sache klar.

Touzinsky wird nun in Puerto Rico spielen. Es dürfte für beide Seiten kein einfacher Abschied gewesen sein. Für den SCC sowieso nicht, das betont Niroomand. Für Touzinsky aber auch nicht. „Der SCC ist der beste Verein, für den ich je gespielt habe“, hat er kurz vor Saisonende erklärt.

Es muss kein Abschied für immer sein. Niroomand und Touzinsky haben vereinbart, dass sie sich noch mal unterhalten, irgendwann, wenn der richtige Zeitpunkt da ist. Vielleicht wird der US-Amerikaner doch noch mal für den SCC spielen.

Zuvor ist allerdings eine ganz andere Frage interessant: Wer wird ihn ersetzen? „Natürlich haben wir parallel zu unseren Überlegungen auch den Markt sondiert, es wäre gelogen, wenn ich das bestreiten würde“, sagt Niroomand. Ob er schon jemanden gefunden hat, das sagt er nicht.

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