Sport : Der sechste Anlauf

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Von Karin Sturm

Spielberg. Viel zu lachen haben ÖsterreichsFormel-1-Fans zur Zeit nicht: Kein Fahrer besitzt einen österreichischen Pass. Gut, da gibt es Alexander Wurz, aber der ist bloß Testfahrer bei McLaren-Mercedes. Hart, diese Bilanz, sehr hart. Vor allem wegen der „Piefkes“, der ungeliebten Deutschen. Willkommen als Touristen, das schon, aber richtig nah ans Herz - welcher Österreicher lässt sie da schon heran, die Deutschen?

Nur stellen die „Piefkes“ den Weltmeister. Michael Schumacher, die Übergröße unterm Integralhelm, der Mann, der alle abhängt. Nur nicht überall. Ausgerechnet Österreich, und da durchströmt Austria-Fans ein Gefühl satter Zufriedenheit, ist das letzte Land des aktuellen Rennkalenders, in dem diese Formel-1-Ikone noch nie gewonnen hat. Zugegeben, den A1-Ring in Spielberg gibt’s erst seit fünf Jahren, aber ein Fan hat in solchen Fällen das Recht auf gewisse Detail-Unschärfe.

Am Sonntag wird wieder in Spielberg gefahren (14 Uhr, live auf RTL und Premiere), und wieder starren sie alle auf Schumacher. Und sie lassen ihm keine argumentativen Fluchtwege. Schumachers Satz „Statistik kann ja ganz nett sein, aber erst, wenn ich mit einem Pfeifchen im Lehnstuhl sitze und zurückblicke“ - geschenkt.

Ein Sieg auf dem A-1-Ring ist der Maßstab. Sieg oder Häme, so einfach ist das. Nur die Geschichte mit dem Sieg, die ist nicht so einfach. 1997 überholte Schumacher trotz gelber Flagge. Strafe, Platz sechs. 1998 wurde er Dritter, 1999 fehlte er wegen seines gebrochenen Beines. 2000 dann kollidierte er nach dem Start mit Ricardo Zonta. Und dass er 2001 hinter David Coulthard Zweiter wurde, betrachten Schumacher-Skeptiker sowieso als Betrug. Ferrari-Pilot Barrichello musste seinen Teamkollegen vorbei lassen - Stall-Order. Ob Ferrari deswegen ausgerechnet jetzt, vor dem Rennen in Spielberg, Barrichellos Vertrag bis 2004 verlängerte? Einerlei, Michael Schumacher ist Favorit. Andererseits: na und? War er früher doch auch. Gewonnen hat er hier gleichwohl noch nie.

Kann sein, dass trotzdem ein Schumacher gewinnt. Aber Österreichs Fans schicken Gebete in den Himmel, dass es dann Ralf Schumacher im Williams-BMW ist. Der wohnt in Hallwang, ein Flecken nördlich von Salzburg. Das ist schon mal gut. Vor allem aber haben viele der Fans das Gefühl, ihm auf Augenhöhe entgegen treten zu können, verbunden durch eine gemeinsame Erfahrung: Ralf Schumacher musste wegen zu schnellen Fahrens eine saftige Strafe bezahlen. Geblitzt wurde er natürlich in Österreich.

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