Sport : Der Sehnsucht entgegen

Bayern München gewinnt 2:0 in Marseille und hält den Traum vom Champions-League-Finale am Leben.

Mia san mia in Marseille. Mario Gomez schießt, sehr zur Freude von Franck Ribéry, die Münchner in Führung. Für Gomez war es das elfte Tor in der laufenden Champions League. Foto: dapd
Mia san mia in Marseille. Mario Gomez schießt, sehr zur Freude von Franck Ribéry, die Münchner in Führung. Für Gomez war es das...Foto: dapd

Marseille - Für den FC Bayern München ist das Finale der Champions League jedes Jahr aufs Neue das Ziel aller Sehnsüchte. Nie aber war die Sehnsucht so groß wie in dieser Saison. Das Endspiel findet im eigenen Stadion statt. Auch für Olympique Marseille, den Gegner der Bayern im Viertelfinale, ist München ein magischer Ort. Im Jahr 1993 haben die Franzosen dort den Wettbewerb als erste Mannschaft überhaupt gewonnen. Dass sie am 19. Mai an die Stätte ihres größten Triumphes zurückkehren werden, ist nach dem gestrigen Abend eher unwahrscheinlich. Marseille unterlag den Bayern im eigenen Stadion 0:2 (0:1). Der Einzug des deutschen Rekordmeisters ins Halbfinale, dann vermutlich gegen Real Madrid, ist wohl nur noch Formsache.

Olympique, das zum ersten Mal seit dem Finaltriumph vor 19 Jahren wieder im Viertelfinale der Champions League stand, fügte sich trotz Heimvorteil klaglos in die Rolle des Außenseiters. Die Mannschaft von Didier Deschamps hatte von den jüngsten acht Pflichtspielen sieben verloren und wählte eine eher defensive Herangehensweise. Sie gab ihre kompakte Ordnung lange nicht auf – und verteidigte durchaus geschickt. Trotzdem hatten die Franzosen nach sechs Minuten die erste Chance: Nach einer Ecke parierte Manuel Neuer den Kopfball von Innenverteidiger Rod Fanni prächtig, hatte dann aber Glück, dass Frankreichs Nationalstürmer Loic Rémy den Nachschuss ans Außennetz setzte.

Die Bayern hingegen taten sich schwer mit dem defensiv eingestellten Gegner. Zwar näherten sie sich dessen Tor in der Anfangsphase einige Male an, klare Chancen aber erspielten sie sich nicht – obwohl es einen guten Grund für mehr Entschlossenheit gegeben hätte: Torhüter Elinton Andrade, der eigentlich Olympiques Nummer drei ist und gestern zu seinem Pflichtspieldebüt für Marseille kam. Stammkeeper Steve Mandanda fehlte rotgesperrt, die Nummer zwei Gennaro Bracigliano hatte im Pokal derart übel gepatzt, dass Deschamps es mit dem fast 33 Jahre alten Brasilianer versuchte.

Bis kurz vor der Pause ging das Experiment gut: Dann leitete Mathieu Valbuena, der Philipp Lahm den Ball an die Hand schoss, einen Konter der Bayern ein. Arjen Robben bediente Mario Gomez, und der schloss von der Strafraumgrenze sofort ab. Sein Schuss kam weder besonders hart noch platziert auf das Tor der Franzosen, doch Andrade ließ den Ball unter seinen Armen zur 1:0-Führung für die Bayern ins Tor rutschen. Für Gomez war es das elfte Tor in der laufenden Champions-League-Saison.

Nach einer guten Stunde wäre dem Nationalstürmer beinahe auch noch das zwölfte geglückt, nachdem Arjen Robben ihn im Strafraum perfekt angespielt hatte. Doch diesmal reagierte Marseilles Torhüter angemessen und parierte den Schuss mit dem Fuß. Im Gegenzug hätten die Bayern beinahe den Ausgleich kassiert. Jerome Boateng schien den Ball schon abgelaufen zu haben, passte aber für einen Moment nicht auf und ließ Rémy zum Abschluss kommen. Manuel Neuer aber bewahrte seine Mannschaft mit einer guten Reaktion vor dem 1:1.

Es waren seltene Ausschläge nach oben. Sonst war die Begegnung nicht besonders hochklassig. Ihr fehlte der Fluss, da das Spiel von vielen Fehlern und Fouls geprägt war. Dass auch die Bayern nicht brillierten, lag möglicherweise an Franck Ribéry, der in seiner alten Heimat durchweg unfreundlich empfangen, bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen wurde und mit Cesar Azpilicueta einen eifrigen und unangenehmen Gegenspieler gegen sich hatte. Ribéry konnte sich kaum einmal in Szene setzen.

Es reichte auch so. Arjen Robben schloss einen Doppelpass mit Thomas Müller zum 2:0 ab. Das Spiel war gelaufen. Unmittelbar nach dem Treffer schickte Trainer Jupp Heynckes den von einer Sprunggelenksverletzung genesenen Bastian Schweinsteiger aufs Feld. Der Nationalspieler sollte sich nicht nur ein bisschen Wettkampfpraxis holen, sondern auch eine Gelbe Karte und damit eine Sperre für das nahezu bedeutungslose Rückspiel. Zehn Minuten dauerte es, dann hatte Schweinsteiger seinen Spezialauftrag zur allgemeinen Zufriedenheit erfüllt. Der Abend von Marseille ließ für die Bayern eben keinen Wunsch offen. Tsp

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