Sport : Der Senat hat Aufschlag

Berlin will die German Open mit Geld unterstützen, damit das Tennisturnier überlebt – aber wie begründet man das in einer fast bankrotten Stadt?

Frank Bachner,Sabine Beikler

Von Frank Bachner

und Sabine Beikler

Berlin. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Ende Juli muss klar sein, ob die German Open 2004 in Berlin, das größte Frauen-Tennisturnier in Deutschland, zu finanzieren sind. Den Zeitplan schreibt die Welt-Frauen-Tennisvereinigung vor, und deshalb herrscht im Senat jetzt ein bisschen Hektik. Denn vom Land Berlin hängt es unter anderem ab, ob auch 2004 Weltklasse-Tennisspielerinnen in Berlin antreten. Noch ist nichts entschieden, und deshalb ist es offensichtlich, dass die politisch Verantwortlichen einige Probleme haben bei dieser Frage.

Das verwundert nicht: Soll eine Stadt, in der Schwimmbäder geschlossen werden und Eltern jetzt Schulbücher bezahlen müssen, ein Tennisturnier unterstützen, das 2003 rund 400 000 Euro Verluste machte? Soll sie 2004 zumindest einen Teil der Verluste übernehmen, sofern diese anfallen? Und dass sie anfallen, ist momentan durchaus zu erwarten. Viele tausend Euro für ein Tennisturnier, das in Berlin nicht mehr als 40 000 Menschen sehen wollen und aus dem sich die ARD schon 2002 ausgeblendet hat?

Wenn der Senat nicht – direkt oder indirekt – Geld zugibt, finden die German Open im Jahr 2004 nicht mehr statt. Das hat der Veranstalter, der Deutsche Tennis Bund (DTB), überaus deutlich mitgeteilt. Der DTB hat kein Geld, er kann keine weiteren Verluste übernehmen.

Einerseits möchte das Land die German Open als Aushängeschild nicht verlieren, aber eine offizielle Zusage, das Turnier zu unterstützen, gibt es auch nicht. Nach Tagesspiegel-Informationen will das Land aber zumindest einen Teil eventueller Verluste übernehmen. Aber auch das will so richtig laut auch noch keiner sagen. Denn die Finanzspritze für ein Turnier, das immer noch das Image einer Edel-Veranstaltung hat, bei dem das Publikum Champagner trinkt, ist nicht einfach zu begründen.

Hinter den Kulissen wird seit Wochen verhandelt. Der Deutsche Tennis Bund fragte bei Sportsenator Klaus Böger (SPD) schriftlich an, ob das Land nicht einen „Baustein“ von 300 000 Euro für die German Open 2004 dazugeben könne. Aber eine solche Politik will die Berliner Sportverwaltung offenbar auf keinen Fall mitmachen. Nach Informationen des Tagesspiegel soll die Sportverwaltung zwar zugesichert haben, notfalls 150 000 bis 200 000 Euro zuzuschießen, alles andere aber sei Sache des Veranstalters. Der habe ja schließlich seine Sponsoren.

Woher das Land das Geld nehmen will, weiß niemand. Anfang Juli hat der Senat den Haushaltsentwurf 2004/2005 verabschiedet, und danach soll die Sportförderung von bislang 9,5 Millionen Euro um zwei Millionen Euro gekürzt werden. Das Parlament wird sich nach der Sommerpause mit dem Haushalt befassen. Karin Seidel-Kalmutzki, sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, sagte, dass dieser Topf für die Vereine und den Breitensport zur Verfügung steht. „Das hat Vorrang.“ In SPD-Kreisen heißt es, dass man nach den Sparopfern in „große Erklärungsnot“ geraten werde, sollten die German Open mit Geldern aus dem Sportetat unterstützt werden. Freilich wäre es nicht das erste Mal, dass sich während der Haushaltsberatungen noch ungeahnte Finanzierungsmöglichkeiten ergäben – oder eine politische Entscheidung ohnehin schon getroffen worden ist. Nur: Das letzte Wort haben die Berliner Abgeordneten, die den Haushalt Ende des Jahres verabschieden müssen.

Doch einige dieser Sponsoren, mit denen die Sportverwaltung rechnet, achten im Moment noch viel mehr darauf, was sich bei einem großen Kreditkartenunternehmen tut. Diese Firma war bisher Titelsponsor des Turniers. Der Vertrag lief 2003 aus, und nur wenn er verlängert wird, werden auch andere Sponsoren Geld in das finanzielle Abenteuer German Open pumpen. Sollte das Großunternehmen abspringen, dann hat sich das Thema German Open 2004 wohl erledigt. „Ohne Titelsponsor läuft gar nichts“, sagt Christian Pirzer, der Chef von IMG Deutschland. IMG vermarktet die German Open. Sollte der bisherige Titelsponsor abwinken, bleibt auch schlichtweg keine Zeit mehr, nach einer Alternative zu suchen.

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