Sport : Der Sieg der Träumer

Wasserballer schlagen Russland und qualifizieren sich für Olympia

Christopher Buhl

Rio de Janeiro/Berlin. Pitschnass kam Udo Lehmann aus dem Becken gekrochen – für ein Mitglied des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) eigentlich nicht ungewöhnlich. Lehmann jedoch war in voller Montur baden gegangen. Zu stören schien das den Betreuer der deutschen Wasserball-Nationalmannschaft nicht im Geringsten. Denn soeben hatte das Team von Trainer Hagen Stamm eine Sensation vollbracht. Beim Olympia-Qualifikationsturnier in Rio de Janeiro schaltete Deutschland den hohen Favoriten Russland mit 9:8 im Halbfinale aus. Das bedeutet: Die Olympia-Teilnahme in Athen ist schon vor Abschluss des Turniers gesichert. Im Finale trifft Deutschland heute um 17.30 Uhr auf Kroatien, das im zweiten Halbfinale die Konkurrenz aus Rumänien mit 12:0 Treffern abfertigte.

„Ein großartiges Spiel“, prustete Lehmann, nachdem er gerade wieder halbwegs trocken war. Was er meinte, war vor allem die starke kämpferische Leistung, die auch Bundestrainer Stamm seiner Mannschaft bescheinigte. „Das war von Anfang an ein großer Kampf“, meinte er. Dabei überraschte der Außenseiter vor allem im ersten Spielabschnitt, als er schnell mit 3:0 in Führung ging. „Unser Vorteil war, dass wir von Anfang an topfit und hellwach waren.“ Die Russen jedenfalls kamen damit zunächst nicht zurecht und verschwendeten fortan ihre Energien mit der mühevollen Aufholjagd. Dass es am Ende doch noch einmal knapp wurde, hatte Hagen Stamm fast erwartet: „Immerhin hatten wir es mit dem amtierenden Weltcupsieger zu tun“, bemerkte er. Doch der alles überragende Marc Politze entschied mit seinen beiden Treffern in der Schlussphase das Spiel für die Deutschen.

Lob gab es am Ende aber nicht nur für die Spieler, sondern auch für die medizinische Abteilung. Mit Patrick Weissinger und Heiko Nossek hatten sich im Viertelfinale gegen die Niederlande gleich zwei Akteure verletzt – beide nahmen unter Schmerzen an der Begegnung teil, Nossek traf sogar einmal. „Ich freue mich wahnsinnig für die Jungs“, bilanzierte Stamm, „weil sie sich hier einen Traum erfüllt haben – bis auf Tchigir hat nämlich noch keiner an den Olympischen Spielen teilgenommen.“

Gefeiert wurde im deutschen Lager trotz der Sensation zunächst noch nicht. „Wir wollen uns anständig aus diesem Turnier verabschieden“, kündigte Hagen Stamm an, „heute werden wir wohl nur über unseren Sieg nachdenken.“

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