Sport : Der Sieg hängt am Reifen

Mercedes feiert den Triumph von Schanghai.

Karin Sturm
Oben für den Moment. Nico Rosberg gewinnt in Schanghai. Foto: dapd
Oben für den Moment. Nico Rosberg gewinnt in Schanghai. Foto: dapdFoto: dapd

Es war kein gewöhnlicher Sieg, dieser Triumph von Nico Rosberg in Schanghai, der erste für einen Mercedes-Silberpfeil seit 1955, der erste in der Geschichte der modernen Formel 1. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem die wenigsten damit gerechnet haben. Vielmehr sah es nach einer nicht ganz so einfachen Saison für die Mannschaft um Ross Brawn und Michael Schumacher aus.

Womit der Druck schon wieder ansteigt, ja selbst aus Mercedes-Betriebsratskreisen kommen wieder kritische Fragen nach dem Sinn des ganzen Engagements, Ausstiegsforderungen werden laut. Und auch wenn Mercedes-Sportchef Norbert Haug all das nach außen hin gerne als „unbedeutend und aufgebauscht“ vom Tisch wischt – auch er weiß, was von einem Mercedes-Werksteam erwartet wird. So war die Freude des Norbert Haug am Sonntagabend in Schanghai sicher auch ein Ausdruck der Erleichterung: erst die temperamentvollen Umarmungen und Küsschen für seinen Sieger Nico Rosberg, später das stille Genießen auf der Terrasse des Teampavillons an dem kleinen See, der das Fahrerlager in China durchzieht sowie das Lesen und Beantworten der zahllosen Glückwunsch-Botschaften auf dem Smartphone.

War das der Durchbruch zum Siegerteam? Der Schlüssel in der Formel 1 ist im Moment der Umgang mit den Reifen – wie gut und wie lange halten sie? Und speziell bei Mercedes scheint der Reifen nur in einem ganz bestimmten, relativ kleinen Temperaturfenster zu funktionieren. In Australien zuvor war es zu warm, in Malaysia im Regen zu kühl, und auch am Freitag beim Training in Schanghai, als die Strecke um einige Grade kühler war als am Sonntag im Rennen, sahen die Mercedes-Longruns nicht so toll aus.

Nico Rosberg ist überzeugt, dass man es durch die Arbeit der Ingenieure geschafft habe, „auch in diesem Bereich sehr viel zu verbessern“. In Schanghai kam er als Einziger der Zwei-Stopp-Fahrer ohne Probleme durch. „Wobei ihm sicher geholfen hat, dass er aus der Pole-Position heraus ständig an der Spitze fahren konnte, nie jemanden vor sich hatte, nie im Pulk fuhr“, wie Pirellis Reifenchef Paul Hembery anmerkte. „Da werden die Reifen deutlich weniger gefordert.“

Die Temperaturen passten auch, was nicht immer der Fall sein wird, genauso wenig wie eine Streckencharakteristik, die mit zwei sehr langen Geraden dem Silberpfeil mit seinem speziellen Flügelsystem entgegenkommt.

So war es sicher nicht nur Zweckpessimismus, als Norbert Haug vor allzu großer Euphorie warnte: „Wir müssen abwarten, wie es in Zukunft aussieht. Es ist zu früh, um eine Prognose abzugeben. Ich hoffe, wir sind an der Spitze dabei. Aber wir haben in drei Rennen drei verschiedene Sieger gesehen.“ In Bahrain wird zumindest eine sehr lange Gerade im Qualifying sicher noch einmal helfen. Aber wie sich die Streckentemperaturen entwickeln, die dort regelmäßig an die 50 Grad liegen – gegenüber 23 bis 24 in Schanghai –, bleibt abzuwarten. Rosberg hatte jedenfalls schon ein paar Zweifel: „Perfekt stehen wir noch nicht da. Es fehlt, glaube ich, noch ein bisschen was, wenn die Bedingungen anders sind, so wie vielleicht in Bahrain, wo es heißer ist.“

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