Sport : Der Sieg über Tofas Bursa ist ein großer Schritt Richtung Play-offs

Dietmar Wenck

Jasmin Repesa sagte, er wolle nicht nach Ausreden suchen, aber er hoffe, "das war das letzte Mal, dass meine Mannschaft so schlecht gespielt hat". Der Trainer des Türkischen Basketball-Meisters Tofas Bursa blickte ein wenig ratlos in die Runde. Mit 55:81 hatte sein Team beim bisherigen Tabellenletzten der Europaliga-Gruppe B, Alba Berlin, verloren. Nur in den Anfangsminuten der beiden Halbzeiten hatte seine mit Stars wie David Rivers, Rashard Griffith oder Slaven Rimac gespickte Mannschaft dem Deutschen Meister Paroli bieten können. "Basketball ist einfach", sagte Repesa also, "der Einsatz muss stimmen, die Rebounds muss man holen. Das hat meine Mannschaft nicht getan." Eine andere einfache Sport-Weisheit rief darauf sein Kollege Svetislav Pesic in Erinnerung. Man ist nur so gut, wie der Gegner es zulässt. Also entgegnete der Alba-Coach in freundlichem, aber bestimmtem Ton: "Tofas war heute nicht auf sehr hohem Niveau. Aber das ist auch unser Verdienst."

Wäre ja noch schöner, wenn man sich nach einem so guten Spiel den Kopf über die schwache Leistung des Gegners zerbrechen sollte. Alba hat eines der teuersten und vermeintlich stärksten, auf jeden Fall am besten eingespielten Teams Europas mit 26 Punkten Differenz besiegt. Das war ein Glanzstück. In der Verteidigung haben die Berliner ihren Gegner beherrscht. Rivers war bei Frankie King und Vladimir Bogojevic in guten Händen, verwandelte nur zwei seiner elf Würfe. Am meisten quälten sich Patrick Femerling und Geert Hammink gegen den viele Kilos schwereren Griffith. Aber der US-Amerikaner konnte schieben und pumpen, er kam an beiden kaum einmal vorbei. Henrik Rödl und Ademola Okulaja hatten ihre Gegenspieler Rimac und Steven Rogers fast völlig unter Kontrolle.

Schon gegen Panathinaikos, fand Rödl, "stimmte die kämpferische Leistung". Nur, die gute Arbeit in der Defense, ergänzte Wendell Alexis, "zahlte sich nicht aus, weil wir im Angriff nichts getroffen haben". Das war am Donnerstag grundlegend und entscheidend anders. Ob King, ob Hammink, ob Femerling - sie nahmen auch im Vorwärtsgang keine Rücksicht auf Beulen und Schrammen. Und sie trafen.

Alba-Manager Carsten Kerner hatte sich vor dem Spiel ein Highlight für die Fans gewünscht - sie bekamen eines geboten und dankten mit minutenlangem Beifall im Stehen. Der letzte Erfolg dieser Größenordnung datiert aus der Saison 1997/98, als Alba Paok Saloniki mit 104:71 bezwang und danach im Play-off-Viertelfinale stand. In die Play-offs wollen die Berliner auch in dieser Saison kommen. Das ist noch ein langer und beschwerlicher Weg, aber Alba scheint nun nach langer Anlaufzeit nun die richtige Route gefunden zu haben. Beim Zwischenstand von 40:47 kriselte es kurz. "Das war wichtig, dass wir in der Situation noch einen Schritt nach vorn machen konnten", sagte das kämpferische Vorbild Henrik Rödl. Wichtig fürs Selbstvertrauen, wichtig für die folgenden Dienstreisen nach Braunschweig (morgen) und Ljubljana (Donnerstag). Ein Sieg in Slowenien könnte nun gar ein Meilenstein werden, so eng, wie die Tabellensituation sich momentan darstellt.

"Unsere Leistung heute ist sehr wichtig für unsere nächsten Spiele", glaubt Svetislav Pesic, "alle unsere Spieler, die gespielt haben, haben gut gespielt." Mit derselben Einstellung, derselben Konzentration, derselben Ruhe und hin und wieder demselben Quäntchen Schussglück ist vieles möglich. Pesic wird schon einen Weg finden, dass es nicht das letzte Mal gewesen ist, dass seine Mannschaft so gut spielt.

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