Sport : Der siegende Holländer

Schwacher Champions-League-Auftakt reicht den Bayern, weil sie mit Makaay den Unterschied gekauft haben

Daniel Pontzen

München. Wer sich in die Fankurve von Celtic Glasgow verirrt und der englischen Sprache nicht mächtig ist, müsste glauben, es gäbe eine Grammatikregel, nach der jeder Satz mit dem Wort „Fucking“ beginnen müsse. Die Schotten schätzen eine gewisse Rohheit, im Ausdruck wie beim Fußball, und sie sind ihren Kontrahenten in dieser Kategorie meist meilenweit überlegen. Am Mittwochabend aber war diese scheinbare Gesetzmäßigkeit einer harten Probe ausgesetzt, denn die Sportfreunde von der Insel enthüllten zeitweise ungeahnte Spielkultur, und die Fans des FC Bayern hätten beim Auftritt ihrer Mannschaft lange Zeit bessere Gründe gehabt, Flüche in die Münchner Nacht zu senden.

Dass sich am Ende doch alles der Normalität fügte, war einer einzigen Person zuzuschreiben: Roy Makaay machte den Unterschied aus beim 2:1-Sieg des Deutschen Meisters. Nur dank ihres niederländischen Torjägers müssen die Münchner nun nicht schon zu Beginn der neuen Saison Antworten auf unangenehme Fragen finden. „Eine Stunde lang sah das gar nicht gut aus“, sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, bis zur Pause hatten die Bayern nicht einmal auf das Tor des Gegners geschossen, und nach dem 0:1 (Thompson/57.) hatte Rummenigge „schlimme Befürchtungen“, er werde Zeuge einer schlechten Kopie des letztjährigen Auftaktdebakels.

Im Gegensatz zu dem 2:3 gegen La Coruña vor exakt einem Jahr aber hatte Makaay diesmal schon vor dem Trikottausch ein rotes Bayern-Leibchen an, und er tat darin genau das, wofür die Bayern kürzlich 18,75 Millionen Euro an den letztjährigen Konkurrenten überwiesen haben: Er hatte zwei gute Momente und entschied damit das Spiel. Zunächst bewies er „seine hervorragende Schusstechnik mit einem präzisen Spannstoß ins kurze Eck“ (73.), wie Trainer Ottmar Hitzfeld aufmerksam beobachtet hatte; dann hatte er „großes Glück“, als seine Flanke auf den langen Pfosten eher ungeplant im Netz landete (86.).

Ansonsten konnte er seine Stärken weiterhin nur selten andeuten, trotz beider Tore befinden sich der Star und die Mannschaft nach wie vor in einer Phase der Annäherung. Zweifellos aber leistete der Holländer mit seinem Doppelpack einen ersten Beitrag zu seiner Refinanzierung. „Ein Stürmer zahlt nun mal in Toren zurück“, stellte Rummenigge fest und sah sich in seiner Meinung bestärkt, „dass sich dieses Investment für den FC Bayern lohnen wird“.

Für Oliver Kahn stand dies ohnehin nie zur Debatte. „Mir war immer klar, dass Roy ein Spieler für die wichtigen Tore ist. Wir brauchen ja keinen, der das vier, fünf oder sechs zu null schießt.“ Damit, dass seine Kollegen so unverhofft zu den Toren gekommen waren wie eine Jungfrau zu Zwillingen, mochte sich der Kapitän nach Spielschluss nicht weiter beschäftigen. „So ein Spiel musst du einfach gewinnen. Es ist mental nicht einfach, wenn du ein halbes Jahr nicht international dabei bist“, sagte Kahn. Und wenn man in solchen Situationen an sich glaube, fügte er an, „dann können wir durchaus hohe Ziele in der Champions League erreichen.“ Präsident Franz Beckenbauer mochte diesen Optimismus nicht teilen und orientierte sich bei seiner Einschätzung am diesjährigen Favoriten: „Wenn man die erste Halbzeit hernimmt, kann der Unterschied zu Real Madrid nicht größer sein.“ „Vielleicht haben einige gedacht, dass wird ein Selbstläufer“, sagte Rummenigge, „die Spieler lesen ja auch Zeitung, und einige glauben irgendwann daran.“

Makaay hat sich offensichtlich nicht fehlleiten lassen. „Celtic war ein sehr starker Gegner“, sagte der bescheidene Matchwinner, „wichtig ist, dass wir die drei Punkte geholt haben. Für uns war es ein gutes Spiel“. Die Celtic-Fans werden eine andere Umschreibung gefunden haben.

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