Sport : Der Sieger heißt Bayern

Bremen und Hamburg spielen 1:1 im Verfolgerduell

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Dass das Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV eine heiße Angelegenheit ist, musste in der Nacht vor dem Spiel auch Dietmar Beiersdorfer feststellen. Der Manager des HSV kam vom Abendessen zurück zum Teamquartier in der Bremer Innenstadt, als er bemerkte, dass die Reifen des geparkten Mannschaftsbusses brannten. Zum Glück hatte es in der Nacht zuvor so kräftig geschneit, dass Beiersdorfer den kleinen Brand mit Schnee löschen konnte. Auf dem Feld blieben den Hamburgern gestern unangenehme Zwischenfälle weitgehend erspart. Das Team erkämpfte sich vor 42 100 Zuschauern im ausverkauften Bremer Weserstadion ein 1:1 und geht als Tabellenzweiter in die Winterpause.

Lange Zeit hatte es allerdings nicht so ausgesehen, als könne den Hamburgern im Spitzenspiel viel gelingen. Werder war in der ersten Halbzeit überlegen. „Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn wir zur Halbzeit 0:3 zurückgelegen hätten“, urteilte Trainer Thomas Doll.

Gefährlich waren die Bremer vor allem bei Freistößen. Zunächst wäre Torsten Frings beinahe ein kurioses Tor gelungen. Seine Freistoßflanke aus 48 Metern senkte sich über HSV-Torwart Sascha Kirschstein an den Pfosten, sprang an dessen Kopf und von dort wieder ins Spiel. Unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff hatte Johan Micoud mehr Erfolg. Vom linken Strafraumeck zirkelte Bremens Franzose den Ball kunstvoll in den oberen rechten Torwinkel. Fünf Minuten vorher hatte er es versäumt, eine aus Bremer Sicht hervorragende erste Halbzeit mit einem noch besseren Ergebnis abzuschließen. Nach einem Foul von Kirschstein an Miroslav Klose war Micoud vom Elfmeterpunkt am Torwart gescheitert.

In der zweiten Halbzeit sahen die Zuschauer ein etwas anderes Spiel. Die Hamburger präsentierten sich jetzt deutlich stärker. „Unsere Jungs haben drei Gänge hochgeschaltet“, sagte Doll. Sergej Barbarez scheiterte zunächst noch mit einem Kopfball am Bremer Torhüter Andreas Reinke, doch Mitte der zweiten Halbzeit gelang dem zwei Minuten zuvor eingewechselten Mustafa Kucukovic aus abseitsverdächtiger Position das 1:1.

Die Hamburger waren mit diesem Unentschieden zufrieden. „Vor ein paar Jahren wäre der HSV hier sang- und klanglos untergegangen“, sagte Doll. Die Bremer hingegen ärgerten sich über die verpasste Gelegenheit. Wenige Minuten vor dem Ausgleich hatte Torsten Frings frei vor Kirschstein den mitgelaufenen Klose ignoriert und die Chance zum 2:0 vergeben.

Immerhin hatten die Bremer durch ihre Leichtfertigkeit dafür gesorgt, dass niemand richtig unzufrieden sein musste. Während die Fans in den umliegenden Kneipen das für beide Mannschaften versöhnliche Tabellenbild feierten, schickten sich die Trainer gegenseitig Grußadressen. Thomas Doll lobte die Bremer für ihr sehenswertes Spiel („Alles Gute für euch“), und Schaaf wünschte dem HSV, dass über die Feiertage „alle gesund bleiben, damit wir solche Duelle bald wieder erleben können“. Zufriedene Gesichter wird es auch am anderen Ende Deutschlands gegeben haben. Ein besseres Ergebnis im Verfolgerduell hätte sich beim Tabellenführer Bayern München niemand wünschen können.

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