Sport : „Der Sieger ist der Sport“

Was nach vier Wochen von der WM übrig bleibt

Juliane Schäuble

Berlin - Sport und Politik kommen sich manchmal erstaunlich nahe. So gab es Zeiten, da wurde im Sportausschuss des Deutschen Bundestages mehr oder weniger ernsthaft darüber nachgedacht, den Fußballbundestrainer vorzuladen. Die WM-Vorbereitungsphase verlief nicht wie gewünscht, die neuen Methoden und der Wohnort von Jürgen Klinsmann spalteten die Nation, man fürchtete eine Blamage. Das ist heute alles vergessen, und eigentlich waren doch alle schon immer für Klinsmann. Die WM war ein voller Erfolg, so zumindest das Fazit einer gemeinsamen Diskussionsrunde des Tagesspiegels und des Sportausschusses in der Berliner Bundestagsarena.

Nach vier Wochen Dauerparty, prall gefüllten Stadien und viel, viel Fußball wurde drei Tage vor WM-Ende eine erste Bilanz gezogen. „Der große Sieger ist der Sport“, dieser Aussage des Ausschussvorsitzenden Peter Danckert (SPD) konnten alle Anwesenden nur zustimmen. Und dabei war nicht nur der Fußball gemeint. Der Sport habe eine „enorme integrative Kraft“, sagte der WM-Botschafter der Stadt Berlin, Michael Preetz, „die sollten wir uns zunutze machen“. Im Deutschen Fußball-Bund (DFB) hätten mehr als 100 Nationalitäten einen Spielerpass, ergänzte dessen Präsident Theo Zwanziger. „Der Fußball ist eine Grundlage, um Menschen zusammenzuführen.“

Die Welt begeistert vom Gastgeberland, die Deutschen angetan von sich selbst, sicherheitspolitisch keine Vorfälle, und nannte der Chef des Weltverbands Fifa, Joseph Blatter, die Weltmeisterschaft 2006 nicht „die beste aller Zeiten“? Ob es dennoch etwas gebe, was man in der Rückschau anders machen würde, wollte Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt dann doch noch vom DFB- Präsidenten wissen. „Kleinigkeiten kann man immer verbessern, gerade organisatorische“, sagte Zwanziger. Aber wenn das große Ganze stimme, wäre das unwichtig. Kein Anlass zu kritischen Tönen.

Selbst ein einstmals strenger Mahner der WM-Organisatoren , der Grünen-Abgeordnete Winfried Hermann, war zufrieden. Hatte Hermann vor der WM noch Fifa und Organisationskomitee kritisiert und die hohen Kosten bemängelt, gestand er am Donnerstag, die Abläufe seien viel unbürokratischer als erwartet, der Schwarzmarkt weitgehend unterbunden gewesen, „und es gab sogar bezahlbare Karten. Ein Kompliment an den DFB.“

Und was nehme Hertha BSC von der WM mit, wurde Michael Preetz, bei dem Erstligisten im Management tätig, gefragt. „Auf jeden Fall den Mut, neue Wege zu gehen.“ Und dass offensiver Fußball die Menschen fasziniere. „Sicherheitsfußball führt zu nichts.“ Diesen Ratschlag griff der FDP-Abgeordnete Detlef Parr gleich auf, um ihn in Richtung seiner Ausschusskollegen von CDU und SPD zu spielen: So defensiv, wie die große Koalition derzeit Politik mache, könne man kein Spiel gewinnen. Danckerts Konter kam sofort: „Politik ist kein Spiel, sondern etwas sehr Ernstes.“

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