Sport : Der Sieger teilt die Prämie mit der Familie

Frank Bachner

Berlin - Plötzlich war da diese Stimme. Philip Manyim wusste nicht, wem sie gehörte, es war ihm auch egal, aber die Botschaft, die er hörte, war klar: „Wenn du schneller läufst, kannst du gewinnen.“ Genau gesagt, rief Mark Milde, der Direktor des Berlin-Marathons, bei Kilometer 26: „Wenn du schneller läufst, kannst du 2:06 Stunden laufen.“ Letztlich kam’s aufs Gleiche hinaus: Manyim lief schneller, und am Ende hatte er gewonnen. Er lief zwar nicht 2:06 Stunden, sondern exakt 2:07,41. Aber seine Leistung war trotzdem gewaltig. Berlin war erst der dritte Marathon des Kenianers, er hatte sich von 2:18 über 2:08 Stunden auf diese Spitzenzeit gesteigert. Und kaum einer hatte wirklich mit ihm gerechnet. „Ich hätte nicht gedacht, dass er gewinnt“, sagte sein Landsmann Peter Chebet, der Zweite (2:08,58).

Im Ziel weinte Manyim. Er weinte herzzerreißend. „Wenn ich glücklich bin, muss ich immer weinen“, sagte er. Er hatte ja nicht bloß für sich gewonnen. Es ging ums Prestige, um nationalen Stolz und vor allem um seine Familie. „Ganz Kenia schaut auf den Berlin-Marathon“, sagte er. Vor allem aber ging es um seine Frau, seine beiden Kinder, seine Brüder und weitere Angehörige. Manyim zieht den Begriff Familie ziemlich weit. „In Kenia teilen wir alles. Wir teilen auch das Geld, das ich gewonnen habe“, sagte er. 47 500 Euro kann er verteilen. Und in seiner Rührung griff er zum Pathos. „Wenn dein Lebensstandard gering ist, erinnert er an ein kleines Baby. Jetzt, nach diesem Sieg, ist das Baby sehr, sehr gewachsen.“ Es ist unter Schmerzen gewachsen. Manyim hatte Probleme mit dem Oberschenkel, er litt unter der Hitze. Mehr als 20 Grad, das ist beim Marathon unangenehm, auch für einen Kenianer. „Sie müssen sich vorstellen, dass wir in Kenia im Trainingslager frühmorgens trainieren. Da herrschen höchstens 15 Grad, oft auch nur neun“, sagt der 27-Jährige. „Außerdem ist dort die Luft klarer als in einer Großstadt.“ Andererseits lief er vor allem auf der zweiten Hälfte der Strecke enorm schnell. „Philip kann 2:07 Stunden laufen“, so hatte Gianni Demadona, sein Manager, den Kenianer gegenüber Milde angekündigt. Das glaubt Milde jetzt.

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