Sport : Der Sinn der Niederlage

Deutsche Basketballer suchen ihre WM-Form

Benedikt Voigt

Berlin - Die letzte Chance haben die deutschen Basketballer kläglich vergeben. Als Ademola Okulaja 54 Sekunden vor dem Ende den Ball an der Mittellinie erhielt, hätte ein erfolgreicher Dreipunktewurf genügt, um gegen Italien auszugleichen. Bundestrainer Dirk Bauermann hatte eigens eine Auszeit genommen, um den Einwurf abzusprechen. Doch als Okulaja versuchte, seine Anweisungen umzusetzen, hielt er vergeblich nach einem freien Mitspieler Ausschau. Drei, vier, fünf Sekunden lang. Prompt pfiff der Schiedsrichter ab, weil die erlaubte Einwurfzeit überschritten war – und überreichte Italien den Ball.

Der misslungene Einwurf bei der 65:70-Finalniederlage im Supercup gegen Italien veranschaulicht das Problem der deutschen Nationalmannschaft. „Wir sind noch nicht eingespielt“, sagte Bundestrainer Dirk Bauermann, „Italien ist schon weiter als wir, die spielen seit drei Wochen zusammen“ Warum sein Team nicht ebenfalls früher mit den Vorbereitungsspielen für die Weltmeisterschaft in Japan vom 19. August bis 3. September angefangen hat, ist schnell beantwortet. „Wegen Dirk Nowitzki“, erklärt Bauermann, „es hat keinen Sinn, zehn Spiele zu machen, wenn der beste Mann nicht dabei ist.“ Nowitzki stößt im Sommer traditionell erst spät zur Nationalmannschaft, weil er sich von der langen Saison in der nordamerikanischen Profiliga NBA erholen muss.

In dieser Saison fiel Nowitzkis Regenerationszeit mit drei Wochen besonders kurz aus, weil er mit den Dallas Mavericks erstmals die Finalserie der NBA im Juni erreicht hatte. „Bei den Spielen in Hamburg und Nürnberg ging bei mir noch gar nichts, jetzt waren meine Bewegungen schon besser“, sagte der 28-Jährige, „aber wir haben noch zwei Wochen Zeit.“ In dem schwachen Spiel am Freitag gegen die Türkei (70:56) hatte er zwölf Punkte erzielt, gegen Italien elf. Für seine Verhältnisse sind das wenig. Sein Teamkollege und Jugendfreund Demond Greene, der wegen einer Muskelverhärtung aussetzte, ist trotzdem nicht bange. „Wenn Dirk Nowitzki ein, zwei schlechte Spiele hat, spielt er die nächsten zwei, drei Wochen glorreich.“

Die mäßigen Spiele lieferten Dirk Bauermann trotzdem einige Erkenntnisse. Zum Beispiel, dass ihm Robert Maras nicht weiterhilft. Den Centerspieler musterte er aus dem WM-Kader aus. Am Dienstag bricht Bauermann mit 13 Spielern zum abschließenden Testturnier nach China auf, einen Spieler muss der Bundestrainer vor dem ersten WM-Spiel am 19. August gegen Japan noch aus dem Kader streichen. Es könnte sich um Sven Schultze handeln, der gegen Italien nicht spielen durfte, obwohl neben Demond Green auch Julian Sensley wegen einer Magenverstimmung fehlte.

Auf der Aufbauposition hinterließ Steffen Hamann, der acht Punkte erzielte, den besten Eindruck, Pascal Roller leistete sich in beiden Spielen insgesamt sieben Ballverluste und fand erst im vierten Viertel gegen Italien zu seiner Wurfstärke. Als Gewinner beider Tage durfte sich Robert Garrett fühlen, der Greenes Verletzung zu zwölf Punkten gegen die Türkei und zehn Punkten gegen Italien nutzen konnte.

Nach der Niederlage lief Trainer Dirk Bauermann unruhig alleine im Kabinengang hin- und her und sinnierte. Demond Greene macht sich weniger Sorgen. „Niederlagen sind gut, weil man sieht, was man noch alles verbessern muss“, sagte er. So gesehen ist das Supercupfinale in Berlin durchaus positiv gelaufen.

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