Sport : Der Skandal erreicht die Bundesliga

Der DFB will Schiedsrichter Jürgen Jansen auf Lebenszeit sperren – er soll Absprachen zur Spielmanipulation getroffen haben

Frank Bachner,Tanja Buntrock

Berlin - Jürgen Jansen hatte am 4. Februar in einer spektakulären Pressekonferenz jede Beteiligung am Fußball-Wettskandal heftig dementiert, jetzt droht dem Bundesliga-Schiedsrichter trotzdem zumindest sportlich die Höchststrafe. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball Bundes (DFB) fordert vom DFB-Sportgericht einen lebenslangen Verbandsausschluss für Jansen. Er soll keine Spiele mehr pfeifen und kein Amt in einem Verein ausüben dürfen. Auch Schiedsrichter-Betreuer Wieland Ziller soll lebenslang aus dem DFB ausgeschlossen werden. Beide sollen an Manipulationen beteiligt gewesen sein.

Jansen wurde durch das Geständnis des Kroaten Ante S., mutmaßlicher Drahtzieher im Wettskandal, schwer belastet. Der Kroate hatte ausgesagt, Skandalschiedsrichter Robert Hoyzer habe ihm auf die Frage, wer noch für Schiebungen in Frage komme, Jansen genannt. Der sei bekannt für seinen „ausschweifenden Lebenswandel“. Ähnlich wie früher schon Hoyzer sagte nun auch Ante S. den Ermittlern, dass an Jansen 25 000 Euro geflossen seien, damit er das Bundesliga-Spiel 1. FC Kaiserslautern – SC Freiburg (3:0) manipuliere. Zuvor habe Jansen 10 000 Euro erhalten, um die Zweitliga-Partie Dresden – Unterhaching zu manipulieren. Nach Einschätzung des DFB hat Jansen aber in beiden Fällen wegen der Spielentwicklung keine bewusste Fehlentscheidung treffen müssen.

Direkten Kontakt mit Jansen habe er zwar nie gehabt, sagte Ante S. Der Referee habe dies abgelehnt. Doch über einen Mittelsmann, Ex-Fifa-Schiedsrichter Ziller, sei das Geld Jansen übergeben worden. Er sei sicher, sagte Ante S., dass ein Großteil des Geldes bei Jansen angekommen sei. Der Kroate will von Ziller gehört haben, dass Jansen es „toll“ gefunden habe, „wie professionell das alles abläuft“, zumal er früher schon einmal ein Spiel manipuliert habe und danach wochenlang seinem Geld habe hinterher laufen müssen. Zu diesem Vorwurf sagte Jansens Anwalt Stephan Reiffen dem Tagesspiegel: „Das ist absoluter Unsinn. Es gibt auch keinen Zeugen, der Jansen direkt belastet.“ Reiffen erklärte, er habe das Protokoll mit dem Geständnis von Ante S. erst am Montag erhalten. „Deshalb brauchen wir Zeit, um die Akten durchzuarbeiten.“ Zillers Anwalt Cornelius J. Fetsch sagte, er habe das Protokoll mit dem Geständnis noch nicht. Er erklärte aber vorab: „Herr Ziller hat keine 25 000 Euro oder anderes Geld von S. erhalten.“

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