Sport : Der Skater, der aus der Kälte kam

Der frühere Eishockeyspieler Chad Hedrick ist der beste Inliner der Welt

Jutta Meier

Berlin. Seine Technik ist einzigartig: Statt sich jeweils mit einem Bein abwechselnd abzustoßen, setzt Chad Hedrick bei jedem Schritt sein zweites Bein parallel zum anderen Fuß noch zur Geschwindigkeitsbeschleunigung ein. Um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, hält er die Arme vor dem Körper, als würde er einen imaginären Eishockeyschläger umgreifen. „Ich habe fünfzehn Jahre hobbymäßig Eishockey gespielt, wahrscheinlich habe ich die Technik da übernommen“, sagt der Texaner, der heute als der große Favorit in das Inline-Skate-Rennen des Berlin-Marathons gehen wird (Start ist um 16 Uhr auf der Straße des 17. Juni). 2000 hat er hier bereits einmal gewonnen.

„Viele versuchen, meine Technik zu kopieren“, sagt er. „Aber ich halte sie nicht für die beste.“ Doch sie ist so gut, dass der 26-Jährige mittlerweile als der erfolgreichste Inline-Skater der Welt gilt. 50-maliger Weltmeister ist er, eine Bezeichnung, auf die er wenig Wert legt. „Bei uns im Skaten gibt es bis zu zwölf Weltmeisterschaften im Jahr“, sagt er. „Die verlieren dann an Bedeutung.“

Für ihn zählt deshalb nur die eine WM, die der Inline-Skate-Verband jährlich ausrichtet. Die dauert eine Woche und umfasst mehrere Disziplinen. „Da habe ich in den letzten neun Jahren gewonnen“, sagt er. Er hat in diesem Jahr auch nicht an allen Rennen der Worldcup-Grand-Prix-Serie, zu der auch der Berlin-Marathon zählt, teilgenommen. Er wollte lieber bei kleineren Rennen in den USA starten. „Das ist wichtig, um unseren Sport in den Staaten wieder populärer zu machen“, sagt er. Der Skater-Boom in den USA liegt schon zehn Jahre zurück.

Obwohl er seit Jahren professionell skatet, bedauert er es, dass er in seiner Heimat so wenig Anerkennung erhält. „Sogar in Südamerika bin ich bekannter“, sagt er, „da jubeln die Leute mir auf der Straße zu.“ Aus diesem Grund beschloss er auch im September 2002, es einmal auf Schlittschuhen beim Eisschnelllauf zu versuchen. Und der Erfolg kam prompt: Bei der Weltmeisterschaft in Berlin im März wurde er Fünfter, nach nur sechs Monaten Training. In Berlin lernte er auch die Eisschnellauf-Weltmeisterin Anni Friesinger kennen, die ihn dazu inspirierte, auf dem Eis weiter zu machen. Für das nationale olympische Eisschnellauf-Team der USA hat er sich bereits qualifiziert.

Da er aber das Inline-Skaten dafür nicht aufgeben will, startet er in Berlin. Ob in diesem Jahr die legendäre Schallmauer von einer Stunde fällt, wird wie jedes Jahr von der Taktik der einzelnen Teams abhängen. „Ich will nur gewinnen“, sagt er.

Wenn er dabei die Stundengrenze unterbiete, sei das nur „the icing on the cake“, die Glasur auf dem Kuchen sozusagen.

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