Sport : Der Sonne entgegen

Natalie Gress

Es könnte der größte Gewinn für den Deutschen Handballmeister SC Magdeburg werden. Und gleichzeitig der größte Verlust. Es geht um die Champions League, um Millionen und um einen Hauptdarsteller: Olafur Stefansson. Der isländische Nationalspieler hat einen Vierjahresvertrag beim spanischen Spitzenklub Ciudad Real unterschrieben - ab 2003. Nun aber wollen die Spanier Stefansson offenbar schon für die nächste Saison. Das könnte für den SC Magdeburg zum Problem werden. Denn halbwegs gleichwertiger Ersatz für einen der weltbesten Linkshänder ist rar.

"Olafurs Weggang wird ein großer Verlust für uns", sagte SCM-Trainer Alfred Gislason, als es noch gar keine Spekulationen über einen vorzeitigen Wechsel des Rückraumspielers gab. Doch nun kündigte Reals Präsident Domingo Diaz de Mera in spanischen Zeitungen an: "Wir müssen uns mit Magdeburg zusammensetzen. Sollte Olafur die Champions League gewinnen, steigen unsere Chancen. Denn dann hat er sein Ziel erreicht." Der Spanier mag mit dieser Vermutung richtig liegen. Schon nach der vergangenen Runde sagte Stefansson: "Eigentlich fühle ich mich jetzt frei zu gehen, weil ich etwas für die Stadt und den Verein getan habe." Wie frei müsste er sich erst nach dem Gewinn der Champions League fühlen?

Zunächst einmal muss Magdeburg heute im Halbfinal-Hinspiel gegen den Dänischen Meister Kolding IF antreten (15 Uhr 15, Bördelandhalle). Zudem steht Anfang April das Final Four im DHB-Pokal in Hamburg an. "Für diese Aufgaben muss Olafur den Kopf frei haben", sagt sein Manager Wolfgang Gütschow. Deshalb sei ein vorzeitiger Wechsel kein Thema. Zudem besteht Magdeburgs Manager Bernd-Uwe Hildebrandt auf Stefanssons Vertrag. "Er bleibt bis 2003. Andere Vereine dürfen sich gerne für ihn interessieren, aber nicht jetzt." Nun kann Geld bekanntlich Verhandlungs- und Kompromissbereitschaft enorm fördern. Die finanzkräftigen Spanier sollen bereit sein, eine hohe Ablösesumme zu zahlen. Stefanssons Vertrag mit Real soll in siebenstelliger Höhe dotiert sein - da wird es auf eine Million mehr oder weniger nicht ankommen. Davon ist auch Bernhard Klebig von der Magdeburger Geschäftsstelle überzeugt: "Die Vertreter von Ciudad Real sind bei der EM in Schweden mit dem Scheckheft rumgelaufen." Der Klub will um den zweimaligen Welthandballer Talant Duschebajew eine Art Weltauswahl aufbauen. Ziel: Sieg in der Champions League. Ein entsprechender Betrag auf dem Scheck von Real - siebenstellig müsste er wohl sein - würde sicher auch in Magdeburg neue Denkanstöße im Fall Stefansson geben. Selbst wenn Hildebrandt dies dementiert: "Die Spanier brauchen uns gar nichts schicken."

Noch ist Real ohnehin nicht offiziell an den Klub herangetreten. "Die tönen doch nur", sagt Hildebrandt. Klebig aber kann sich vorstellen: "Olafur hat Bauchschmerzen." Der Isländer selbst hat die Spekulationen um seine Zukunft bislang nicht kommentiert. Noch ist alles offen. Der SC Magdeburg hat weder die Champions League gewonnen noch Stefansson verloren. Der aber könnte den Europapokal in der nächsten Saison auch mit Ciudad Real anstreben. Magdeburg aber hätte es ohne seinen Isländer schon sehr viel schwerer, sich überhaupt für die Champions League zu qualifizieren.

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