Sport : Der Spaß kehrt zurück

Durch einen 36:26-Sieg über Tunesien erreichen die deutschen Handballer die WM-Hauptrunde – jetzt geht es gegen Island, Ungarn und Norwegen

Erik Eggers[Kristianstad]
Balanceakt in Hamburg. Ruud van Nistelrooy will den Hamburger SV in Richtung Madrid verlassen – doch der Verein will ihn nicht ziehen lassen. Foto: dpa
Balanceakt in Hamburg. Ruud van Nistelrooy will den Hamburger SV in Richtung Madrid verlassen – doch der Verein will ihn nicht...Foto: dpa

Manch deutschem Handballer stand wieder ein Lächeln im Gesicht. Sie hatten zwar, wenn auch nur kurzzeitig, in den Abgrund geblickt in der Kristianstad-Arena. Doch diesmal bewältigten sie eine Krise. Schon eine Viertelstunde vor dem Ende, als Kapitän Pascal Hens einen Tempogegenstoß zum 27:17 verwandelte, stand der Einzug in die Hauptrunde der WM in Schweden fest. Am Ende bezwang Deutschland den Afrikameister Tunesien mit 36:26 (15:12)-Toren. „Ich hatte heute wieder Spaß am Spiel“, sagte Bundestrainer Heiner Brand. „Das Niveau unseres Angriffsspiels hat sich verbessert, ich hoffe, dass wir darauf aufbauen können.“

Das Team von Heiner Brand startet nun allerdings mit der Hypothek von 0:4-Punkten in die Runde der letzten Zwölf. In Jönköping trifft das Team zunächst am Samstag auf Island und dann auf Ungarn und Norwegen. „Jetzt wollen wir jedes dieser drei Spiele gewinnen und dann werden wir sehen, was dabei herauskommt“, sagte Torwart Johannes Bitter (HSV), der mit 19 Paraden erneut als starker Rückhalt seines Teams agierte. Der Einzug ins Halbfinale ist zwar theoretisch noch denkbar. Das eigentliche Ziel aber heißt Platz Sieben und damit die Berechtigung für die Teilnahme an einem Qualifikationsturnier für Olympia 2012. „Natürlich wollen wir das unbedingt erreichen“, sagte Hens.

Die Frage war: Wie hatte das Team die böse 23:30-Niederlage gegen Olympiasieger Frankreich vom Vortag verarbeitet? „Wir haben wie Männer offene Worte dafür gefunden“, berichtete der Kieler Dominik Klein. „Und wir haben die richtige Reaktion gezeigt, wir hatten heute wieder Spaß am Handball.“ Es habe ein wenig gedauert, bis man ins Spiel gefunden habe, sagte Spielmacher Michael Kraus (HSV). „Natürlich hat uns die Niederlage gegen Frankreich verunsichert.“

Die Nerven flatterten den Deutschen ein wenig, schließlich drohte ihnen am letzten Vorrundenspieltag das Aus. Sie standen in der ersten Halbzeit am Abgrund, auch weil Ägypten überraschend gegen Bahrain verlor und so mindestens ein Remis erforderlich war. Trotz guten Starts und einer 6:3-Führung entglitt ihnen für ein paar Minuten die Partie, als sie sich fünf technische Fehler leisteten.

Der Angriff stockte, Kraus konnte ihn erneut nur leidlich strukturieren. Brand, die Arme vor der Brust verschränkt, tiefe Sorgenfalten im Gesicht, stand an der Seitenlinie und schaute dem Treiben fassungslos zu. In der 14. Minute, inzwischen hatte der Gummersbacher zur Beruhigung eine Auszeit genommen, schien die Situation zu eskalieren: Brand schrie Kraus an. Und Kraus brüllte zurück, bevor er sich wieder dem Angriff zuwendete. Da stand es bereits 6:7, und als Spielmacher Heykel Megannem, der erfahrene tunesische Kapitän, seine Klasse aufblitzen ließ, drohte beim 8:10 (17.) gar das Vorrunden-Aus. Wenn die deutsche Mannschaft das Spiel danach wieder einigermaßen in den Griff bekam, dann lag das an der 6:0-Abwehr, die sich nun steigerte – und an Bitter. Der Torhüter bestätigte seine glänzende Turnierform. Immer wieder schrie der Zweimetermann seine Vorderleute nach vorn, motivierte sie, und er kompensierte auch die zwei unnötigen Zeitstrafen, die sich Abwehrchef Oliver Roggisch (Rhein Neckar-Löwen) in dieser Phase leistete. Und tatsächlich, beim Pausenstand von 15:12 kontrollierte der Weltmeister von 2007 wieder das Geschehen.

In der zweiten Hälfte machte das deutsche Team dann kurzen Prozess mit den Nordafrikanern, denen die Kräfte und Ideen ausgingen. Vor allem Klein, der für Uwe Gensheimer kam, brachte viel Elan ins deutsche Spiel. „Wir wissen ja auch, dass wir es können“, sagte hinterher der Linksaußen. Die deutschen Handballer haben wieder Mut gefasst für die kommenden Aufgaben in Schweden.

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