DER SPIELORT des Halbfinals : Hier wird nichts verbaselt

Mit ihrem Slogan lagen die Baseler und Baselerinnen genau richtig. Vor der EM hatte die Stadt einen mittelmäßig kreativen Claim für den EM-Sommer ersonnen: „Basel – mehr als 90 Minuten.“ Die Parole erwies sich als überaus weitsichtig. Vor 14 Tagen lief die 93. Spielminute, als sich mit der Schweiz im Baseler Stadion St.-Jakob-Park der erste EM-Gastgeber vom Turnier verabschiedete. Im Dauerregen schoss Arda Turan in der Nachspielzeit das 2:1 für die Türkei, die Schweizer waren draußen. Im Viertelfinale genossen Russen und Niederländer die Gastfreundschaft der Baseler noch ein wenig länger. Die Holländer, die „Europameister der Vorrunde“, wehrten sich 120 Minuten mehr schlecht als recht gegen Russland und verabschiedeten sich mit 1:3 aus Basel und der EM. Die deutsche Nationalelf scheint sich den Slogan der Stadt nicht zu Herzen genommen zu haben, Joachim Löws Mannschaft entledigte sich ihrer Viertelfinalaufgabe als einziges Team in 90 Minuten. Nicht nur deshalb ist der Spielort ein gutes Omen für die Deutschen. „Wir haben in Basel vor der EM 4:0 gegen die Schweiz gewonnen, jetzt 3:2 gegen Portugal“, sagte Lukas Podolski, der sich anscheinend richtig verliebt hat in die Stadt am Rhein: „Von mir aus könnte hier auch das Finale stattfinden.“ Es ist aber nicht damit zu rechnen, dass sein Wunsch bei der Uefa Gehör findet, am Sonntag wird das Finale mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in Wien angepfiffen.

Schade eigentlich, auch die anderen deutschen Spieler haben sich an Basel gewöhnt. „Was im Viertelfinale im Stadion los war...“, jubelte Verteidiger Per Mertesacker. „Gigantisch!“

Auch heute wird der St.-Jakob-Park mit 39 374 Zuschauern ausverkauft sein. Am vergangenen Donnerstag turnten, tobten und tranken sich zudem 50 000 Deutsche durch die Baseler Innenstadt.

Per Mertesacker hofft, dass auch diesmal die Stadt im Griff der deutschen Anhänger ist. „Ich richte einen Appell an die Fans, das noch mal zu tun“, sagt Mertesacker vor dem Halbfinale: „Wir sollten auch gegen die Türken die Oberhand behalten.“

Wobei Fan-Unterstützung allein kein Garant für den Erfolg ist, wie das Beispiel der Niederlande zeigt. Rund 150 000 Oranje-Anhängern machten Basel am vergangenen Samstag zur holländischen Kolonie und Orange zur alles bestimmenden Farbe. Umsonst: Am Ende gewannen doch die Russen. Und die niedergeschlagenen Holländer hinterließen ihre ganz besondere Duftnote: eine Trauerwolke aus Bierdunst, Uringeruch und Marihuanaschwaden. Kein Klischee, das war so.Mark Diening

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