Der Spielort : Feiern am Fluss: In dieser Stadt wird nichts verbaselt

Zehntausende pilgern zum Stadion, zehntausende feiern in der Altstadt und am Rhein. Das letzte deutsche EM-Spiel dort war, so Mertesacker, "gigantisch". Am Mittwoch spielt die DFB-Elf dort schon wieder gegen die Türkei.

Mark Diening[11 Fre],e[Basel]
Wasserparty
Wer nicht hüpft, ist ... kein Holländer? Oranje-Fans feierten in der Innenstadt.Foto: AFP

Die Stadtväter und -mütter haben es vorher geahnt:  „Basel - mehr als 90 Minuten“, lautet der Slogan der drittgrößten Schweizer Metropole zur EM 2008. Und sehr zum Leidwesen der 166 000 Baseler und aller übrigen Eidgenossen war dieser Claim sehr weitsichtig: Es war die 93. Minute, als sich mit der Schweiz im St.-Jakob-Park der erste EM-Gastgeber vor 14 Tagen vom Turnier abmeldete. Ausgerechnet gegen die Türken, 1:2 in der Nachspielzeit. Sogar 120 Minuten wurden im Viertelfinale Niederlande gegen Russland am vergangenen Samstag gespielt, nach denen die holländischen „Europameister der Vorrunde“ in Basel mit 1:3 aus der EM purzelten. Jetzt also Deutschland gegen die Türkei.

Zum dritten Mal treffen die beiden Nationen bei einem Fußballturnier in der Schweiz aufeinander. Die ersten beiden Partien gewann Deutschland. Während der Vorrunde der WM 1954 schlugen Fritz Walter und Co. die Türken 4:1 und 7:2. Allerdings in Zürich und Bern. In Basel wiederum unterlagen die „Helden“ von Trainer Sepp Herberger dem Turnier-Favoriten Ungarn im Gruppenspiel noch mit 3:8. Das Ende ist bekannt ..., aber Geschichte!

Im Juni 2008 ist Basel ein gutes Omen für Jogis Jungs: Hier haben sie Portugal 3:2 geschlagen. Hierhin pilgern die deutschen Fans. „Was im Viertelfinale im Stadion los war...“, jubelte Verteidiger Per Mertesacker: „Gigantisch!“

39 374 Zuschauer fasst der St.-Jakob-Park. Am vergangenen Donnerstag bevölkerten zudem 50 000 Deutsche die Baseler Innenstadt. „Ich richte einen Appell an die Fans, das noch mal zu tun“, sagt Mertesacker vor dem Halbfinale: „Wir sollten auch gegen die Türken die Oberhand behalten.“

Wobei Fan-Unterstützung allein kein Garant für den Erfolg ist, wie das Beispiel der Niederlande zeigt. Schätzungen gehen von bis zu 150 000 Oranje-Anhängern aus, die Basel am vergangenen Samstag zur holländischen Kolonie und Orange zur alles bestimmenden Farbe werden ließen. Am Ende gewannen die Russen. Basel versank in einer Trauerwolke aus Bierdunst, Uringeruch und dem Duft von Marihuana. Kein Klischee! Das war so. – Nun also noch ein Mal Basel.

Das Halbfinale Deutschland - Türkei ist das letzte von 15 EM-Spielen in der Schweiz, sechs davon fanden in der Stadt am Rhein statt. Für Lukas Podolski hätte es noch eins mehr sein dürfen: „Wir haben in Basel vor der EM 4:0 gegen die Schweiz gewonnen, jetzt 3:2 gegen Portugal. Von mir aus könnte hier auch das Finale stattfinden.“ Doch das wird in Wien ausgetragen. In Basel gibt es heute noch einmal 90 Minuten. Oder mehr...

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