Sport : Der Spind von Jürgen Bogs ist leer

A.G.

Viele Jahre ist es her, dass der BFC Dynamo noch im Fußball-Europapokal spielte. Im Herbst 1984 traf der Klub auf die schottische Spitzenmannschaft FC Aberdeen. Die 1:2-Niederlage aus dem Hinspiel hatte Dynamo ausgeglichen, die Entscheidung fiel im Elfmeterschießen. Bodo Rudwaleit, Dynamos Torwartlegende, hielt an jenem Abend zwei Elfmeter, den Treffer zum 5:4-Endstand erzielte DDR-Nationalspieler Norbert Trieloff. Trainer Jürgen Bogs stand jubelnd an der Seitenlinie. "Mein absoluter Höhepunkt in all den Jahren", sagt Bogs, der mit dem BFC Dynamo in den Achtziger Jahren zehn Meistertitel in Folge holte.

Der BFC Dynamo ist mittlerweile bis in die Amateurliga abgestürzt. Nur Trainer Bogs erinnerte noch an die großen Europapokalabende des BFC. Vorbei. In diesen Tagen nun hat der DDR-Rekordmeister, der wegen finanzieller Probleme als Absteiger in die fünftklassige Verbandsliga fessteht, seinen erfolgreichsten Trainer entlassen. "Ich habe meinen Spind schon ausgeräumt", sagt Bogs. Neuer Coach ist der bisherige Kotrainer Mario Maek, dem Dynamos Torwarttrainer Bodo Rudwaleit zur Seite steht.

Es ist ein trauriger Abgang für Bogs. Viele BFC-Spieler haben nach der Wende in der Bundesliga gekickt. Andreas Thom oder Thomas Doll spielten für die deutsche Nationalmannschaft. Nur Dynamos Erfolgstrainer kam im Westen nie wirklich unter. An dem 54-Jährigen klebte das Stasi-Image des Klubs wie an keinem anderen. Nachdem er einige Monate in der ostfriesischen Provinz bei Kickers Emden gearbeitet hatte, wurde er auch dort entlassen. "Ich habe leider immer gedacht, dass ich auch ohne Berater einen Verein finde", sagt Bogs. "Das war ein Fehler." 20 Bewerbungen hatte er Mitte der 90er Jahre einmal geschrieben - und nur Absagen bekommen. Im Dezember 1999 ging Bogs wieder zurück zum BFC Dynamo. Vom Aufstieg zurück in den Profifußball träumt niemand mehr, auch nicht Jürgen Bogs. Er geht seit einigen Tagen zum Arbeitsamt.

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