Sport : Der Spion

Henrik Rödl kann bei der Basketball-EM nicht mitspielen – jetzt hilft er als Spielerbeobachter

Benedikt Voigt

Gut, dass Henrik Rödl wieder mit höherer Schrittgeschwindigkeit gehen kann. So kann der verletzte Basketballer knapp vier Monate nach dem Bruch des Schienbeinköpfchens im linken Knie über den Stockholmer Flughafen Arlanda hetzen. Rödl hat es eilig, er muss noch seinen Anschlussflug erreichen. Allerdings wird ihn dieser nicht nach Norrköping führen, wo die deutsche Nationalmannschaft spielt, für die er 178 Spiele bestritten hat. Henrik Rödl fliegt in den Norden Schwedens, nach Lulea.

„Es ist der erste Schritt in eine zweite Karriere“, sagt Henrik Rödl. Der 34-Jährige beobachtet bei der Europameisterschaft im Auftrag des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) die Vorrundengruppe C. In Lulea spielen jene Mannschaften, gegen die Deutschland am Montag im Ausscheidungsspiel antreten müsste. Wenn es nach der Vorrunde Platz zwei oder drei belegt. „Ich habe mich dem DBB angeboten", sagt Rödl, „ich wollte bei der EM dabei sein.“ Der Verband hat das Angebot dankend angenommen.

Noch ist nicht entschieden, ob Rödl seine Karriere als Basketballprofi beenden wird oder nicht. Zurzeit macht er in der Rehabilitation langsame Fortschritte. Einen Termin, wann er wieder spielen kann, möchte er nicht nennen. Sein Verein Alba Berlin plant bisher ohne ihn. „Dafür habe ich Verständnis“, sagt Rödl. Dabei könnte der Deutsche Meister seinen Routinier nach dem Kreuzbandriss von Guido Grünheid gut gebrauchen. „Diese Verletzung kommt zu früh für mich“, sagt Rödl. Alba wird wohl einen anderen Spieler verpflichten. Wenn er weiterspielen kann, will Rödl zunächst mit seinem alten Klub sprechen. Sollte er jedoch seine Karriere beenden müssen, möchte er als Trainer arbeiten. Alba hatte ihm bereits im Sommer den Job als Trainer beim Zweitligisten TuS Lichterfelde angeboten. „Das kam zu früh und zu schnell“, sagt Rödl.

Nun ist er Spielerbeobachter. Der DBB hat ihm eine kurze Einweisung gegeben. Aus den Filmen und Berichten, die Rödl nach Norrköping sendet, werden kurze Filme über die gegnerischen Spieler zusammengeschnitten. Die Deutschen bekommen diese vorgeführt, um die Aktionen ihrer Gegner besser studieren zu können.

DBB-Präsident Roland Geggus bedauert, dass Rödl nicht als Aktiver dabei ist. Drei Spiele im Nationalteam fehlen ihm noch, um mit Hans Gnad gleichzuziehen. „Er hätte hier Rekordnationalspieler werden können“, sagt Geggus. So aber steht Rödl nicht auf dem Parkett, wenn zehn Jahre nach dem überraschenden Europameistertitel von München wieder eine deutsche Mannschaft nach dem Titel greift. Aber er ist wieder dabei.

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