Sport : Der Sport muß draußen bleiben

SEBASTIAN ARLT

Der Sport muß diesmal draußen bleiben.Wenn Manfred von Richthofen heute im engsten Freundes- und Familienkreis in Oberbayern seinen 65.Geburtstag feiert, haben die handverlesenen Gäste nichts mit dem Metier zu tun, in dem sich der Jubilar bewegt.Und Richthofen, als Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB) Deutschlands höchster Sportfunktionär, wird wohl nichts dagegen haben, daß sich die Gespräche einmal nicht um marode Sportstätten, fehlende Akzeptanz für ehrenamtliche Arbeit, dopende Athleten oder olympische Sportfunktionäre drehen werden, für die Nehmen seliger ist als Geben.Schon eher wird die Geburtstagsgesellschaft Tschaikowski, Chopin und gregorianischen Chören lauschen.

Es werden keine großen Reden geschwungen, wie beispielsweise am vergangenen Sonnabend im Frankfurter Römer, als Walther Tröger, der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), mit mehr als 200 Würdenträgern des Sports seinen 70.Geburtstag nachfeierte.Natürlich war auch Richthofen da - und natürlich hat er auch eine Laudatio gehalten.Doping-Weltkonferenz in Lausanne, Tröger-Fete in Frankfurt, Ball des Sports in Wiesbaden - es gab wieder viel zu tun in den vergangenen Tagen für den in Berlin geborenen Richthofen.Doch es sind nicht nur die Termine mit und bei den Großkopfeten, die er im Schnelldurchlauf absolviert.Alle, die ihn leiden, aber auch alle, die ihn nicht leiden können, respektieren Richthofen, weil er nie den Kontakt zur Basis verloren hat."So an die 300 Reden", überschlägt Richthofen kurz im Kopf, habe er während seiner ersten Amtszeit als DSB-Präsident zwischen 1994 und 1998 gehalten.Die meisten davon bei Veranstaltungen und Jubiläen von Sportvereinen, für ihn "die größten Sozialstationen" im Land.

Und da ist er dann ganz nahe am Puls der Vereine, wenn er noch lange mit Sportlern und Funktionären zusammensitzt, sich deren Sorgen und Nöte anhört.Dann leert sich langsam die Packung mit seinen Menthol-Zigaretten - und sein Fahrer weiß, daß es heute wieder später wird, bis er den Chef nach Hause fahren kann.Wenn der DSB-Präsident dann davonbraust, bleibt bei den meisten Sportsfreunden der Eindruck haften, daß Manfred Freiherr von Richthofen zwar in feinstem Tuch daherkommt, eigentlich aber ganz normal, überhaupt nicht abgehoben, sondern doch eher einer von ihnen ist.Auch wenn er nun mal Sproß eines bedeutenden deutschen Adelsgeschlechts ist.Einer seiner berühmtesten Vorfahren war sein Onkel, Rittmeister Manfred von Richthofen, kurz: der "Rote Baron".

Die Feier in bayerischer Abgeschiedenheit ist indes nicht typisch für den nun 65jährigen, den es als Sportpolitiker in die vorderste Reihe gedrängt hat.Nach seiner Ausbildung an einem Eliteinternat in Salem und anschließendem Studium der Sportwissenschaften und Sozialpädagogik hatte der einst aktive Hockeyspieler neun Jahre lang am Berliner Canisius-Kolleg als Lehrer gearbeitet.1969 trat er nicht nur aus dem Schuldienst aus, er beendete auch die Parteiarbeit in der CDU (von 1963 bis 1967 Vorsitzender der Jungen Union Berlin, von 1965 bis 1969 stellvertretender Vorsitzender der Berliner CDU).Die Karriereleiter in der Sportpolitik führte ihn erst an die Spitze des Landessportbundes Berlin (seit 1985) und später des DSB (seit Dezember 1994).

Im vergangenen Dezember wurde er - bei einer Gegenstimme - als DSB-Präsident für weitere vier Jahre im Amt bestätigt.Rückblickend gibt er zu, daß er sich schon einige Male gefragt habe, ob "ich mir das noch einmal antun soll".Wenn ihm, einst Hardliner auf diesen Gebieten, zum Beispiel inzwischen zu lasches Vorgehen in Sachen Doping- oder Stasi-Verstrickungen vorgeworfen wird.Während seiner ersten Amtsperiode hatte sich der forsche Freiherr zudem gewaltig im Geflecht der Sportorganisationen verheddert.Er sei zwar als "Tiger" gesprungen, jedoch als "Bettvorleger gelandet", so höhnte beispielsweise "Der Spiegel", als Tröger und sein NOK den Plan von Widersacher Richthofen abbürsteten, NOK und DSB unter einem Dach zu vereinen."Natürlich ist man ungern ein Fußabtreter", sagt er dazu mit süß-saurem Lächeln.Diese Niederlage hat Wunden hinterlassen.

Richthofens Selbsterkenntnis: "Man nimmt es mir vielleicht übel, daß ich manchmal etwas lauter bin." Leisetreten ist nicht seine Sache.Das ist dann wieder Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker, die sich hinter vorgehaltener Hand über seine manchmal emotionale, ja selbstherrliche Art mokieren.Oder die ihm eitles Verhalten vorwerfen, weil er den unbedingten Willen besäße, von den wirklich Wichtigen auch wirklich wichtig genommen zu werden.

So manchen hat er während seiner Karriere als ehrenamtlicher Sportfunktionär angerempelt, seine direkte, manchmal fordernde Sprache hat einige verschreckt.Doch auch dadurch hat er dem Sport vor allem in der Politik wieder Gehör verschafft.Als Unternehmer und Teilhaber an Spielbanken ist Manfred von Richthofen materiell unabhängig.Für ihn war immer wichtig, sich von nichts und niemandem (auch nicht von der CDU) vereinnahmen zu lassen.Und er hat sich eines bewahrt: seinen Sinn für Ironie.

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