Sport : Der Sport muss nachziehen

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Es hat natürlich einen zynischen Beigeschmack, trotzdem: Die Missbrauchsfälle an Schulen oder Internaten, die in den vergangenen Monaten aufgedeckt wurden, haben für tatsächliche oder mutmaßliche Opfer auch etwas Gutes. Sie werden nicht mehr sofort als unglaubwürdig eingestuft, wenn sie sich teilweise erst nach Jahrzehnten offenbaren. Der frühere Eiskunstläufer Jörn Lucas wirft dem Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union, Udo Dönsdorf, vor, ihn vor fast 30 Jahren sexuell belästigt zu haben, Rabe will das Gleiche vor rund drei Jahren durch Dönsdorf erfahren haben. Beide mussten sich vor einem Jahr anhören, dass ihre Glaubwürdigkeit zweifelhaft sei. Ob Dönsdorf schuldig ist, das ist eine andere Frage. Er bestreitet die Vorwürfe in beiden Fällen, im Fall Rabe entscheidet nun bald ein Gericht, ob Rabe Schmerzensgeld zusteht.

Bedeutsam ist die gewachsene Sensibilisierung der Gesellschaft für das Thema sexuelle Gewalt, auch im Sport. Allerdings hat man zugleich das Gefühl, dass in Deutschland die Gesellschaft weiter ist als der Sport selber. In der Schweiz oder in Österreich haben Sportler, die sich als Opfer empfinden, spezielle Ansprechpartner. In Deutschland sucht man vergeblich einen direkten Kontakt. Beim Deutschen Olympischen Sportbund ist das Thema sexuelle Gewalt beim Frauenressort angesiedelt, wo es bislang keinen ausgewiesenen Experten für dieses Thema gibt.

Es fehlt nicht an Erkenntnissen über Probleme. Es fehlt an der richtigen Umsetzung von Lösungen.

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