Sport : Der Sport und das Leben

Unfalltod eines Piloten schockt Motorradszene

Anja Brandt

Berlin - „Nicht gewertet“ – in dieser Rubrik taucht der Name Shoya Tomizawa auf der offiziellen MotoGP-Internetseite auf. Es geht um den WM-Lauf von San Marino der Kategorie Moto2 am Sonntag im italienischen Misano, und Tomizawa wurde nicht gewertet, weil er nie im Ziel angekommen ist: In Runde 15 war der Japaner ins Schlingern geraten, er stürzte. Zwei nachfolgende Fahrer überrollten ihn. Auf dem Weg ins Krankenhaus erlag der 19-Jährige seinen inneren Verletzungen.

„Der Schock war und ist groß“, sagt der deutsche Pilot Stefan Bradl. Der 20-Jährige war auf der Strecke an dem gestürzten Tomizawa vorbeigefahren. Erst später erfuhr er von dessen Tod. „Wir Fahrer sind uns bewusst, dass der Sport gefährlich ist“, erzählt Bradl. Dass es aber so schnell lebensbedrohlich werden könne, sei „schon heftig“.

Tomizawas Unfall ist der zweite mit tödlichem Ausgang in der diesjährigen Weltmeisterschaft. Ende August war der erst 13 Jahre alte Amerikaner Peter Lenz im Rahmenprogramm der Motorrad-WM in Indianapolis ums Leben gekommen. „Seit 2003 ist in den Wettrennen kein tödlicher Unfall mehr passiert“, betont dagegen Bradl, „das Bewusstsein über die Gefahr des Sports verdrängt man da schnell.“ Eine trügerische Sicherheit. Ohnehin findet Bradl: „Wenn man in der Weltspitze mitfahren will, darf man keine Angst haben.“

Die Unfälle in Italien und den USA richten den Fokus auf die Gefahren des Motorsports. Und sie rechtfertigen Fragen über die Sicherheit der Rennstrecken. Michael Sachse, Leiter der Sportabteilung am Sachsenring, sagt: „Bei jedem Rennen werten Sicherheitskommissionen die Häufigkeit und Gründe der Stürze aus.“ Fehler an der Strecke ließen sich dann ändern, „menschliche Fehler“ nicht. Auch Bradl meint, der Sturz seines Fahrerkollegen sei Schicksal gewesen: „Das war kein normaler Unfall, Tomizawa ist unglücklich weggerutscht.“ Was Auslaufzonen, Schutzkleidung, Helfer und medizinische Versorgung vor Ort angehe, seien die Motorradfahrer jedenfalls gut ausgestattet. Bradls Erkenntnis ist daher einfach: „Der Sport wird weiterleben. Das Leben geht ja auch weiter.“ Für Shoya Tomizawa nicht. Anja Brandt

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