Sport : Der spröde Charme von Partizan

Der serbische Fußball hat kein gutes Image: Viele Spieler gehen weg, und die Fans randalieren gern

Gemma Pörzgen

Beim heutigen Freundschaftsspiel im Bremer Weserstadion wird von den Belgrader Fans vor allem ein schönes Spiel erwartet. „Unser Charme gegen eure Hartnäckigkeit“, gibt der Sportchef der Tageszeitung „Danas“, Ziva Veckecki, das Motto aus. „Die Qualität ist wichtiger als der Erfolg“, sagt er und erinnert an das Spiel in Frankreich 1998 zwischen der damals noch jugoslawischen Mannschaft und Deutschland. Es endete 2:2. Seit Anfang Februar existiert Jugoslawien nicht mehr. Die Nationalmannschaft trägt nun den Namen des neuen Staatenbundes Serbien-Montenegro.

Fußball ist neben Basketball der populärste Sport, doch über lange Zeit blieben die Erfolge aus. Schuld daran ist vor allem der wirtschaftliche Abstieg des Landes. Begabte junge Spieler wandern ins Ausland ab, wo sie mehr Geld verdienen. Wegen der Sanktionspolitik in den Neunzigerjahren fehlte es an ernst zu nehmenden Gegnern. Auswärtsspiele fanden lange nicht mehr statt – und wenn, dann nur gegen China oder Rumänien.

Bis heute konnte sich der serbische Fußball nicht so recht vom Negativ-Image befreien. Immer wieder gab es Randale. Im Parlament wird demnächst ein neues Sportgesetz verabschiedet, das härtere Strafen gegen Hooligans vorsieht. Im August vergangenen Jahres waren die Spieler von Bayern München in der Qualifikation zur Champions League gegen Partizan Belgrad noch mit Gegenständen beworfen worden. Zur Strafe mussten die Serben ihr nächstes Heimspiel vor leeren Rängen austragen.

Als Lothar Matthäus Anfang des Jahres das Traineramt bei Partizan antrat, wurde der serbische Fußball international aufgewertet. Dem Klub gelang es mit dem Imagegewinn, neue Sponsoren zu finden. Im Aufgebot des heutigen Spiels in Bremen stehen allerdings nur zwei Spieler von Partizan, darunter der 23-jährige Zvonimir Vukic. Er wird als „Maradona des Balkans“ bezeichnet. Das klingt immerhin international.

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