Sport : Der Staat und das Spiel

Friedhard Teuffel

über den italienischen Kampf gegen Doping Ist Dopingbekämpfung auch Sache des Staates? Darüber sind sich in Deutschland bislang weder Sport noch Politik im Klaren, aber ein Blick nach Italien könnte bei der Entscheidung helfen. Dort drohen jetzt mehreren Radprofis Haftstrafen. Sechs Monate Haft fordert die Staatsanwaltschaft etwa für Dario Frigo. Sechs Monate Haft dafür, dass er sich einfach nur schneller machen wollte mit den Errungenschaften der pharmazeutischen Industrie?

Italien hat ein strenges Verständnis. Doping ist Betrug am Publikum, an der Konkurrenz, am Sport insgesamt. Die italienische Anti-Doping-Bekämpfung fürchtet selbst Jacques Rogge, der erste IOC-Präsident, der den Betrug bei Olympischen Spielen ernsthaft verfolgen lässt. Während der Winterspiele 2006 in Turin solle Italien die Doping-Bekämpfung aussetzen. Offenbar fürchtet Rogge um die olympische Ruhe, wenn Carabinieri die Sporthelden wie Kriminelle behandeln.

Italien zeigt, dass der Sport seine Autonomie im Kampf gegen Doping kaum noch zurückgewinnen kann, wenn er sie einmal an den Staat verloren hat. Die Ermittlungsmethoden des Staates mag der Sport gerne in Anspruch nehmen, aber will er auch die Bestrafung durch ordentliche Gerichte? Gar Haftstrafen? Sind öffentliche Ächtung und Berufsverbot nicht Strafe genug?

Sport und Politik haben in Deutschland noch keine Antwort auf eine grundsätzliche Frage gegeben: Ist die sportliche Leistung Einzelner von so großem öffentlichen Interesse, dass sie nicht nur mit Millionen von Steuergeldern gefördert werden, sondern auch Polizei und Gerichte beschäftigen muss? Eine Antwort wäre: Der Staat hat Wichtigeres zu tun, als den Sport frei von Manipulation zu halten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar