Sport : Der Staatsanwalt geht an den Start

Überraschender Durchbruch im Bundestag: Der Besitz von Dopingmitteln wird unter Strafe gestellt

Friedhard Teuffel

Berlin - Wer Dopingmittel besitzt, wird künftig dafür bestraft. Darauf haben sich überraschend die beiden Bundestagsfraktionen von Union und SPD geeinigt. Die sogenannte Besitzstrafbarkeit war lange umstritten, bis zuletzt hatte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) einen solchen Straftatbestand verhindern wollen, und auch die Unionsfraktion sowie Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble schienen unentschlossen zu sein.

Der neue Straftatbestand ist das wohl wichtigste Element einer Gesetzesinitiative gegen Doping, die frühestens im Juli, spätestens jedoch im Januar 2008 in Kraft treten soll. Sie umfasst auch eine schärfere Bestrafung des Handels mit Dopingmitteln, eine Ausweitung der Ermittlungsmethoden bis hin zu Telefonüberwachungen sowie die Einbeziehung des Bundeskriminalamtes.

Der entscheidende Durchbruch nach mehrmonatigen Verhandlungen gelang in der Nacht zum Donnerstag. Union und SPD einigten sich auf einen Kompromiss. Danach wird der Besitz „nicht geringer Mengen“ vom Staat bestraft, bei geringen Mengen ist nach wie vor die Sportgerichtsbarkeit zuständig. „Damit bleiben die Belange des Sports gewahrt“, sagte Klaus Riegert, der sportpolitische Sprecher der Unionsfraktion.

Was eine „nicht geringe Menge“ ist, soll erst noch bestimmt werden. Riegert sagte, das sei möglicherweise Aufgabe der Rechtsprechung. Dagmar Freitag, die sportpolitische Sprecherin der SPD, sagte jedoch: „Wir plädieren eher dafür, die Grenzen im Gesetz festzuschreiben. Sonst haben wir wie beim Besitz von Haschisch für jedes Bundesland eine andere Regelung.“ Sie sei sehr zufrieden mit dem Kompromiss: „Der Athlet ist nun auch von der Strafverfolgung betroffen, das ist entscheidend.“ Die letzten Monate hätten gezeigt, „dass Doping in Deutschland offenbar möglich ist, ohne von den gängigen Kontrollmechanismen erfasst und überführt zu werden“. Dagegen könne der Staat nun eingreifen: „Was kommt, ist, dass der Staat beim Besitz von Dopingsubstanzen seine überlegenen Methoden anwenden kann“, sagte Freitag. Bei der Anwendung staatlicher Ermittlungsmethoden sei die Menge der Dopingmittel zunächst gar nicht entscheidend.

Der Deutsche Olympische Sportbund äußerte sich ebenfalls zufrieden über den Kompromiss. „Das ist in unserem Sinne. Über eine solche Möglichkeit der Unterscheidung zwischen größeren und kleineren Mengen haben wir schon vor Wochen intern diskutiert“, sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper. Zuletzt hatte der DOSB immer wieder seine Befürchtungen zum Ausdruck gebracht, die Besitzstrafbarkeit könnte den Athleten kriminalisieren und die Sportgerichtsbarkeit unterwandern.

Es hatte sich dabei ein Zweikampf zwischen dem DOSB und dem Deutschen Leichtathletik-Verband entwickelt, dessen Präsident Clemens Prokop die Besitzstrafbarkeit vehement forderte. Prokop sagte nun über die Einigung: „Der Systemwandel ist vollzogen. Die Dopingbekämpfung steht nun auf zwei Ermittlungssäulen: Dopingkontrollsystem des Sports und Strafverfolgung des Staates. Die Dopingbekämpfung wird eine völlig neue Dynamik bekommen.“

Zu den Substanzen, die künftig verboten werden, gehören Anabolika, Hormone wie das Blutdopingmittel Erythropoietin, Wachstumshormon und Insulin sowie so genannte Antiestrogene. Diese können bei gleichzeitiger Einnahme die Nebenwirkungen von Anabolika abschwächen. Diese Substanzen waren den Sportpolitikern von Professor Wilhelm Schänzer als gefährlichste und häufigste Dopingsubstanzen genannt worden. Schänzer leitet das Doping-Kontrolllabor in Köln. Ob und wie die Liste der verbotenen Substanzen im Gesetz immer auf den neuesten Stand gebracht werden kann, müsse erst noch geprüft werden, sagte Dagmar Freitag.

0 Kommentare

Neuester Kommentar