Sport : Der Staatsverein

Wie der 1. FC Kaiserslautern mit der Politik verflochten ist

Oliver Trust

Kaiserslautern. Politiker lieben Sport und ganz besonders Fußball. Denn die Stadien sind voll mit Wählern. Weshalb sich Abgeordnete und Minister nur zu gern auf die Tribüne setzten und in den Klubs mitmischen. Wie beim 1. FC Kaiserslautern, der in Rheinland-Pfalz bereits als „Staatsverein“ verspottet wird, weil Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) seine Leidenschaft für den Klub seit Jahren auslebt. Und mit Ministerialdirektor Gerhard Herzog und Innenminister Walter Zuber zwei Abgesandte in höchste Vereinsgremien abstellte. Solche Verstrickungen werden zum Problem, wenn finanzielle Unregelmäßigkeiten auftauchen. Dafür ist der 1. FC Kaiserslautern das beste Bespiel.

Nun wird hektisch telefoniert. Zwischen Staatskanzlei Mainz und dem Büro von Kaiserslauterns Oberbürgermeister Bernhard Deubig (CDU). Der Verein hat 40 Millionen Euro Schulden und ist nur zu retten, wenn Stadt und Land das Stadion übernehmen. Dazu soll eine Betreibergesellschaft gegründet werden. Weitere zehn bis 15 Millionen Euro an Steuergeldern sind nötig, um die Insolvenz abzuwenden. Die Sache ist zum Politikum geworden. Die rheinland-pfälzische CDU bereitet einen Untersuchungsausschuss im Landtag vor. Die große Frage: Wie viel wusste Beck und warum hat er nicht mehr Kontrolle ausgeübt? Wie aus dem Umfeld des FCK verlautet, bestehe aber bei Beck wenig Bereitschaft, aufzuklären.

Anrufe in der Staatskanzlei

Beck, so wird vermutet, will sich weitere peinliche Enthüllungen um seinen Ministerialdirektor Herzog ersparen. Der war als Mitarbeiter für den 1. FC Kaiserslautern abgestellt und fungierte dort zuletzt als geschäftsführendes Vorstandsmitglied. Gegen Herzog, vom Verein fristlos gekündigt und zurückgekehrt in den Staatsdienst, laufen Ermittlungen wegen gefälschter Spesenabrechnungen. Einer großen deutschen Boulevardzeitung soll zudem die Telefonliste aus Herzogs Büro vorliegen, die auffällig viele Anrufe in die Staatskanzlei aufweise. Es wäre ein weiterer Beleg für die enge Verflechtung zwischen Sport und Politik. Mit Walter Zuber sitzt noch heute ein Beck-Vertrauter im Aufsichtsrat des Vereins. Zuber ist Innenminister des Landes Rheinland-Pfalz.

Trotz Becks Zurückhaltung will der Klub jetzt Regressforderungen gegen die alte Führung um Jürgen Friedrich, Robert Wieschemann und Herzog stellen. Das beschloss der Aufsichtsrat des 1. FC Kaiserslautern. Ob aber auf diesem Weg jemals Geld in die leeren Klubkassen fließen wird, scheint fraglich. Denn ein solcher Prozess würde mehrere Jahre dauern. So wird in der Pfalz diese Ankündigung denn auch mehr als ein Signal an die Banken und Gläubiger gesehen. Die Pfälzer Politiker aber müssen sich derweil nicht nur mit dem Klub herumschlagen, sondern auch mit erbosten Landeskindern. Beamte meutern wegen Beförderungsstopps und Sparmaßnahmen, den Sportvereinen wurden Zuschüsse um 20 Prozent gekürzt. „Den Beck holt es jetzt schrecklich ein“, sagte Rüdiger Sterzenbach, der Chef des Landessportbundes.

Und es wird für die Politiker noch peinlicher, seit Zahlen aus einem Prüfungsgutachten von der Beratungsfirma „Pricewaterhouse Coopers“ (PWC) vorliegen. Insgesamt, so das Gutachten, hat der Verein seit 1996 8,25 Millionen Euro für Persönlichkeitsrechte an Spielern ins Ausland transferiert. Allein bei Youri Djorkaeff sollen es rund sechs Millionen Mark gewesen sein. Das Finanzamt hatte dem FCK jetzt einen Steuerbescheid zugesandt und fordert 12,9 Millionen Euro nach. Die Behörden stufen die Praktiken als verdeckte Lohnzahlungen ein.

Wie aus dem Gutachten der Beraterfirma hervorgeht, musste der 1. FC Kaiserslautern bereits 1998 hinterzogene Steuern zurückzahlen. Es ging damals um einen sechsstelligen Betrag, der beim Wechsel von Andreas Brehme, damals noch Spieler, an eine Gesellschaft in die Niederlande überwiesen worden war. Zwischen 1996 und 1998 gab es für die Profis Michael Schjönberg (69000 Mark), Marian Hristov (240000 Mark) und Ciriaco Sforza (434000 Mark) drei weitere Zahlungen. Zuletzt hatte der Klub für Taribo West 1,5 Millionen Euro an eine Firma in Italien gezahlt.

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