Sport : Der Star aus der Provinz

Hertha will Christian Gimenez verpflichten und ist sich mit dem Stürmer einig

Stefan Tillmann

Berlin - In Lugano, in der italienischen Schweiz, schwärmen sie heute noch von ihm. „Ein wunderbarer Spieler und Mensch“, sagt Teammanager Giuseppe Gidari. Der 29 000-Einwohnerort am Luganer See, umgeben von ausufernden Wanderwegen, war die erste europäische Station von Christian Gimenez. Mit 20 Jahren kam der Argentinier von Boca Juniors zum FC Lugano. Nun steht Hertha BSC kurz vor einer Verpflichtung des Stürmers. Eine Einigung mit Gimenez’ aktuellem Klub Olympique Marseille wird für heute erwartet.

Gimenez ist mittlerweile 31 Jahre alt, wie Marcelinho, der Berlin nach fünf Jahren Richtung Trabzonspor verlassen hat. Einen Vergleich mit dem Exzentriker lehnen sie zumindest in Lugano ab, wo Gimenez ebenfalls fünf Jahre spielte. „Er war immer sehr pünktlich, ein echter Profi, der sich in jedem Spiel einsetzte“, sagt Gidari. Ein Star war er nur auf dem Platz: In 95 Spielen schoss er 55 Tore. Der FC Lugano ging 2002 insolvent, gründete sich als AC neu, Gimenez ging in die größere Stadt, zum FC Basel.

Dort war er vier Jahre lang unangefochten. 93 Tore erzielte er in 123 Spielen, wurde drei Mal Schweizer Meister, zwei Mal Pokalsieger, drei Mal Torschützenkönig. Der Abgang aus Basel ähnelte jedoch dem von Marcelinho aus Berlin: Der Star hatte ihn provoziert. Im Rückspiel in der Champions-League-Qualifikation bei Werder Bremen wollte Gimenez nicht auflaufen, weil Olympique Marseille ihn kaufen wollte: Hätte er für Basel gespielt, wäre er für Marseille in den Uefa-Cup-Spielen nicht mehr spielberechtigt gewesen. Trainer Christian Gross hatte Gimenez zuvor stets als „absolut professionell und positiv“ gelobt, bis dieser sich endgültig weigerte aufzulaufen. Basel verlor 0:3 in Bremen. „Auf Grund des Verhaltens des Spielers gab es keine andere Lösung als die sofortige Beendigung der Zusammenarbeit.“ So verkündete der Klub die Vertragsauflösung. Gimenez hatte die Sympathien aus seinen besten Profijahren verspielt.

In Marseille machte er nur neun Spiele von Beginn an, 21 insgesamt. Das Tor im ersten Spiel blieb das einzige des zweifachen argentinischen Nationalspielers. Jetzt will er weg. Hertha BSC ist sich mit dem Spieler einig. Die Verhandlungen beider Klubs endeten gestern Abend ohne Ergebnis, heute geht es weiter. Im Gespräch ist entweder ein Dreijahresvertrag oder ein Leihgeschäft für ein Jahr. Marseille soll 300 000 Euro für ein Leihgeschäft und 550 000 Euro bei einem Kauf verlangen.

Gimenez wäre kein direkter sportlicher Ersatz für Marcelinho, auch wenn er zumindest dessen Position als Star des Teams besetzen könnte. Der 1,82 Meter große Stürmer ist Strafraumspieler, kein dribbelnder Angreifer wie der Brasilianer. Hinter den Spitzen setzt Hertha offenbar auf Yildiray Bastürk. Gimenez wird sich mit Marko Pantelic und Srdjan Lakic um die Plätze im und um den Strafraum streiten. Er hätte wohl bessere Karten als Lakic, der in der vergangenen Saison beim kroatischen Klub Kamen Ingrad Velika 14 Tore erzielte. Berlin wäre die vierte europäische Station des Argentiniers Gimenez, der auch einen italienischen Pass besitzt. Die Städte wurden immer größer. In Berlin hätte er die Chance, seinem Ruf gerecht zu werden, der ihm aus der Provinz vorauseilt.

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