Sport : Der Star ist das Team

Wie die Deutschen vor der Schwimm-WM aufgestellt sind

Frank Bachner

Berlin . Schwimmerin Franziska van Almsick war auch beim Lehrgang. Sie hat mal in Ampflwang vorbeigeschaut. Das liegt in Österreich, dort trainiert gerade die Handball-Nationalmannschaft, dort schwitzt mithin auch ihr Freund Stefan Kretzschmar. Die deutschen Schwimmer dagegen bereiteten sich auf Mallorca auf die Weltmeisterschaft vor, die heute in Barcelona beginnt.

Van Almsick aber wird fehlen. Die Weltrekordlerin über 200 m Freistil bereitet sich auf die Olympischen Spiele 2004 vor, eine WM ist für sie kein großer Reiz mehr – zum Leidwesen der Sponsoren des deutschen Verbands und des Fernsehens. „Das Interesse an Franziska van Almsick ist immer noch ein Gradmesser für die Popularität des Schwimmsports“, sagt ein Schwimm-Experte der ARD. Allerdings hat die erfolgreiche Europameisterschaft 2002 in Berlin, wo die Deutschen 22 Medaillen gewannen, dem ganzen deutschen Schwimmen wieder einen enormen Popularitätsschub gegeben. Die Quoten waren gut, die Fans litten mit, die Sportler rückten ins Rampenlicht, und Cheftrainer Ralf Beckmann zog am Ende zufrieden Bilanz.

Nur ist dieser Popularitätsschub in gewisser Weise ein Problem. Denn die Deutschen müssen in Barcelona hohe Erwartungen erfüllen. ARD, ZDF und Eurosport berichten täglich von der WM. Aber eine Medaillenflut wie in Berlin wird es in Barcelona, wo die WM 2007 gestern vom Weltverband an Melbourne vergeben wurde, nicht geben. Bei der WM 2001 gewann Deutschland 15 Medaillen und schob sich auf Platz drei der Nationenwertung hinter Australien und den USA. Wenn das Team diese Position verteidigt, hat es viel geleistet.

Es hat durchaus auch Stars, das Team. Thomas Rupprath oder Hannah Stockbauer. Rupprath hat sein Trauma abgelegt, nur auf der Kurzbahn gewinnen zu können. Bei der Europameisterschaft in Berlin holte er zum ersten Mal einen Titel auf der 50-m- Bahn. Doch Rupprath, der Schwimmprofi, steht unter Druck. Seine Erfolge ließen sich erst mal nicht groß vermarkten. Vor einigen Wochen unterschrieb er dann einen hoch dotierten Vertrag mit einer Brauerei, allerdings muss er dafür auch Topleistungen bringen. Unter dem Druck, Geld verdienen zu müssen, ist er vor ein paar Wochen fast zusammengebrochen. Der 26-Jährige verdiente im Winter beim Kurzbahn-Weltcup gut, brach dann aber wegen der Überlastung ein. Er musste sein Training reduzieren. Bei der WM, sagt er, sei er wieder auf dem Leistungshöhepunkt.

Auch Hannah Stockbauer hat gelernt. Bei der WM 2001 fehlte van Almsick verletzt, Stockbauer gewann zwei Titel und ließ sich anschließend als Star herumreichen. Das hatte Folgen: Ihre Form ließ nach, die EM wurde zur Enttäuschung. 2003 trainierte sie extrem hart, nahm mehrere Kilogramm ab. In der Weltjahres-Bestenliste über 800 m und 1500 m liegt sie auf Platz eins.

Der Konkurrenzkampf bei dieser WM ist so hart wie nie zuvor. In diversen Disziplinen gibt es rund ein Dutzend Medaillenkandidaten. Es spielt keine Rolle, dass Rücken-Star und Rupprath-Rivale Lenny Krayzelburg (USA) verletzt fehlt, und auch der australische Schmetterling-Spezialist Michael Klim nicht antritt. Stattdessen kämpft der neue US-Star Michael Phelps um Gold über 100 m Freistil, eine von Ruppraths Spezialstrecken. Phelps ist als Einziger vor der WM Weltrkorde geschwommen – über 200 m und 400 m Lagen.

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