Sport : Der Star ist die Verletzte

Beim Hochsprungmeeting in Eberstadt fehlt Ariane Friedrich an allen Ecken

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Nur Zweite. Auch Weltmeisterin Blanca Vlasic (hier beim Meeting in Birmingham) konnte in Eberstadt nicht überzeugen. Foto: Reuters
Nur Zweite. Auch Weltmeisterin Blanca Vlasic (hier beim Meeting in Birmingham) konnte in Eberstadt nicht überzeugen. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Sie war nicht dabei und trotzdem immer im Mittelpunkt. Wo immer Ariane Friedrich am Rande des Hochsprung-Meetings auftauchte, musste sie Autogramme schreiben und mit Fans für Fotos posieren. Als sie auch noch zwei Strecksprünge aus dem Fußgelenk machte, um ihre Gesundungsfortschritte zu dokumentieren, war das Publikum endgültig begeistert. Sie erntete heftigen Applaus von den rund 1000 Zuschauern und irgendjemand rief: „Weiter so!“ Der Star von Eberstadt war die Verletzte.

Seit Ariane Friedrich im Dezember 2010 die Achillessehne im linken Bein gerissen ist, leidet die deutsche Hochsprungszene. Die 27 Jahre alte Frankfurterin war das Gesicht der nationalen Leichtathletik, sie war von der Europameisterschaft und der Weltmeisterschaft in Berlin jeweils mit einer Bronzemedaille zurückgekehrt. Davon kann Meike Kröger von der LG Nord Berlin zurzeit nur träumen.

In Eberstadt wurde die 24 Jahre alte Hochspringerin nur Zwölfte und und damit Letzte. Nur eine Höhe hatte Meike Kröger übersprungen, lediglich 1,80 Meter. Anschließend versuchte ihr Trainer Jan-Gerrit Keil dieses Ergebnis wort- und gestenreich zu erklären. Kröger hatte Friedrich bei der Deutschen Meisterschaft in der Halle im Winter 2010 herausgefordert, war zwei Meter gesprungen und galt sogar als nächste deutsche Weltklasse-Hochspringerin. Nun sind die Ziele wieder bescheidener.

„Wir können momentan keine Wunder erwarten“, sagt ihr Trainer Jan-Gerrit Keil. Die vergangenen Monate seien schwierig gewesen. Einerseits wegen des Bachelor-Abschlusses seiner Athletin, der ablenkte, andererseits wegen einer Entzündung im Knie, weshalb im März wochenlang kein spezifisches Training möglich gewesen sei. „Das Sprungbein ist noch nicht so stark wie das Schwungbein. Meike hat kein dynamisches Gleichgewicht.“ Ist er eine Woche vor den deutschen Meisterschaften in Kassel trotzdem optimistisch? „Ich habe kein schlechtes Gefühl“, sagt der Trainer, „aber Favoritin ist Marie-Laurence Jungfleisch.“

Die 20-jährige deutsche Jahresbeste vom LAZ Salamander Kornwestheim war am Wochenende zeitgleich bei der U-23-EM aktiv und wurde Achte mit 1,87 Meter. Es gibt noch weitere Talente, die 18 Jahre alte Nadja Kampschulte von der TG Harkort Wetter gewann in Eberstadt den U-23-Wettbewerb mit 1,84 Meter. Der deutsche Nachwuchs ist auf dem Sprung, und dazu gehört auch Katharina Mögenburg aus Leverkusen, die ebenfalls 1,84 Meter übersprang. Sie ist die Tochter von Dietmar Mögenburg, der 1984 in Los Angeles Olympiasieger im Hochsprung war. Was alles nichts daran ändert, dass der Publikumsliebling Friedrich an allen Ecken und Enden fehlt.

Nicht einmal die zweimalige Weltmeisterin und 2,08-Meter-Springerin Blanka Vlasic konnte in der Arena unter dem Eberfürst die Zuschauer begeistern. Jahrelang hatte sich Athletenbetreuer Günter Eisinger bemüht, die Kroatin für das Meeting zu verpflichten. Und jahrelang hieß es, die Diva aus Split verlange in etwa so viel Startgeld, wie das komplette restliche Feld kostet. „Es war dieses Mal ein ganz fairer und ganz geringer Preis“, sagt Eisinger. Auch weil Vlasic erstmals in Eberstadt dabei sein und gewinnen wollte. Doch sie wurde nur Zweite mit 1,97 Meter hinter der Russin Swetlana Schkolina, die 1,99 Meter übersprang. Es gab höflichen Applaus für Vlasic – mehr nicht. Dass die Kroatin quasi im Land ihrer international größten Konkurrentin Ariane Friedrich gestartet war, geriet zur Fußnote. Weil der Zweikampf über der Latte nicht stattfand.

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