Sport : Der Star sitzt auf der Trainerbank

Mainz 05 muss einige Abgänge verkraften

Christian Tretbar

Wer hat das Sagen im Verein? Die Führungsriege um Präsident Harald Strutz und Manager Christian Heidel hat weitestgehend freie Hand, zumal großer Sponsoreneinfluss fehlt. Der geplante Stadionneubau ist neben Spielertransfers das wichtigste Projekt. Bis jetzt ist jedoch nicht einmal der Standort geklärt. Für Heidel ist klar: „Wir bauen das stimmungsvollste Stadion in Deutschland.“

Was hat sich verbessert? Bis zum Aufstieg war Mainz 05 ein unscheinbarer Klub der Zweiten Liga. Geprägt von einer langweiligen Atmosphäre im Stadion und vielen Trainerwechseln. Dann kamen Trainer Jürgen Klopp, der Aufstieg und der Imagewandel. Mainz 05 zählt heute zu den originellsten Vereinen der Bundesliga. Und das soll auch in Zukunft so bleiben, sagt Harald Strutz: „Unsere Hauptaufgabe ist es, dieser originelle Verein zu bleiben, der wir sind.“

Wie sicher ist der Job des Trainers? Auch wenn Jürgen Klopp dagegen ankämpft, der Verein lebt von Klopps Kultstatus. Seine Methoden haben Klinsmann-Charakter, aber das schon lange, bevor Jürgen Klinsmann aus Kalifornien kam. Beispiele sind das Überlebenstraining in Schweden vor zwei Jahren oder die Bergtour, die er nach der WM mit dem Team unternahm. Vier Tage lang kraxelten sie auf den 2533 Meter hohen Großen Widderstein in Österreich. Klopp sitzt auf dem sichersten Trainerstuhl der Liga. Sein Chef Harald Strutz hat ihn für „unkündbar“ erklärt, was mehr ist als ein Lippenbekenntnis.

Welche Taktik ist zu erwarten? Vom frischen Offensivspiel wird Jürgen Klopp auch in dieser Saison nicht abkommen. In der vergangenen Saison musste er sein Spielsystem ändern, als vor allem im Sturm nicht viel zusammenlief. Von seinem „Tannenbaumprinzip“ mit einem offensiven Mittelfeld und nur einer echten Spitze ist er zu einem 4-4-2-System zurückgekehrt, und damit wird er wohl auch in die neue Saison starten.

Welche Platzierung ist möglich? Mit Spielmacher Antonio da Silva (VfB Stuttgart) sowie den Stürmern Mohamed Zidan (Werder Bremen) und Benjamin Auer (VfL Bochum) hat fast die ganze Offensive den Klub verlassen. Nun wurde auch dem wechselwilligen Michael Thurk eine Freigabe erteilt, falls ein Klub zwei Millionen Euro zahlt. Dafür ist Mimoun Azaouagh aus Schalke zurückgekehrt, und die Defensive wird durch Du-Ri Cha verstärkt, der aus Frankfurt kommt. Das Ziel kann wieder nur Klassenerhalt lauten. Es wird schwer genug.

Wer sind die Stars? Manuel Friedrich ist Kapitän und Organisator der Defensive, ein Star ist er nicht. Publikumsliebling war bislang Stürmer Michael Thurk. Dass er nun mit einem Wechsel zum Lokalrivalen Eintracht Frankfurt liebäugelt, kostete jedoch Sympathien. Wenn er geht, wird es ihm egal sein. Bleibt als Star – der Trainer.

Wie sind die Fans? Das Stadion ist eng und die Fans sind laut und fantasievoll. Auch zu Auswärtsspielen reist ein großer Tross mit. Anhänger der Nachbarvereine aus Kaiserslautern und Frankfurt halten ihnen vor, noch vor fünf, sechs Jahren den Bruchweg gemieden zu haben. Da ist etwas dran, aber mittlerweile haben sie bewiesen, wie fest sie hinter dem Verein stehen. Immerhin campieren die Fans auch im dritten Bundesligajahr schon am Abend vor dem Kartenvorverkauf vor der Geschäftsstelle.

Wer ist der WM-Held? Auch hier hat Jürgen Klopp die Nase vorn. Otto Addos drei Halbzeiten für Ghana reichten jedenfalls nicht, und Manuel Friedrich durfte erst gar nicht mit auf Klinsmanns Heldentour. Klopp wurde durch seine Spielanalysen im ZDF vom Boulevard zum TV-Bundestrainer erkoren. Seither kann er sich vor PR-Terminen und Interviewanfragen nicht mehr retten und ist wohl zum beliebtesten Trainer der Bundesliga aufgestiegen.

Morgen: Borussia Mönchengladbach

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