Sport : Der Star und die Mannschaft

Alex Alves schießt Hertha BSC mit zwei Toren zum 2:0-Sieg in Mönchengladbach und damit in die Nähe der Europapokal-Plätze

Stefan Hermanns

Mönchengladbach. In der Halbzeitpause nahm Mikael Forssell zwingend notwendige kosmetische Korrekturen vor. Als der Stürmer von Borussia Mönchengladbach bei seinem Heimdebüt am Bökelberg aus der Kabine kam, hatte er die silber glänzenden Schuhe ausgezogen und stattdessen die gewöhnlichen schwarzen Modelle an den Füßen. „Es war ganz schwierig, die richtigen Schuhe zu finden“, sagte Herthas Trainer Huub Stevens nach dem 2:0-Sieg seiner Mannschaft bei Borussia Mönchengladbach. Stevens’ Spieler hatten wohl die richtige Wahl getroffen: Nach knapp einer Viertelstunde führten sie auf dem erst glitschigen und später hart gefrorenen Platz bereits mit 2:0. „Wir können uns glücklich preisen, dass wir ganz schnell in Führung gegangen sind“, sagte Stevens. Das Spiel war unter diesen Bedingungen so gut wie entschieden.

Als einen „Schlag ins Gesicht“, empfand Gladbachs Trainer Hans Meyer die frühe Führung für die Berliner, „da sind wir richtig runtergeholt worden“. Zweimal konterten die Berliner, zweimal spielte der gute Marcelinho auf Alex Alves, und zweimal traf der Stürmer aus Brasilien, der auch in seinem vierten Jahr in Berlin noch auf Bewährung vorspielen muss, weil seine Leistungen schwanken wie eine Jolle auf dem Ozean bei Windstärke zwölf. Im Moment surft Alves auf einer Welle des Erfolges. „Er hat jetzt vielleicht so einen kleinen Lauf“, sagte Verteidiger Arne Friedrich über seinen Kollegen. Gegen Schalke hatte er vor einer Woche geglänzt und ein Tor erzielt, zwei nun gestern Abend in Mönchengladbach.

„Er spielt das, was er kann“, sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß, der den Stürmer Anfang des Jahres 2000 aus Brasilien verpflichtet und ihn seitdem – vielleicht sogar manchmal wider besseres Wissen – gegen alle Kritik verteidigt hat. „Alex gibt positive Signale“, sagte Hoeneß. „Für mich ist das keine Überraschung. Wir haben schon genau hingeschaut, als wir ihn geholt haben.“ Doch Hoeneß hat in den drei gemeinsamen Jahren schon zu viel erlebt, als dass er jetzt schmetternde Lobesarien auf Alves singen würde. Er sehe dessen aktuell positive Entwicklung „mit einer gewissen Distanz“, und doch glaubt er weiterhin auch beim „Thema Alex Alves an ein Happy End“.

Ein Happy End könnte für Hertha auch die anfangs so unerfreulich verlaufene Saison noch finden. Alves’ Tore haben die Mannschaft nach einer enttäuschenden Hinrunde dem Saisonziel wieder näher gebracht: der Qualifikation für einen Europacup-Wettbewerb. Bis zu Platz fünf sind es jetzt nur noch zwei Punkte, bis zur Qualifikation für die Champions League vier. Vor der Winterpause waren es scheinbar uneinholbare zehn. „Es schiebt sich vorne wieder zusammen“, sagte Hoeneß. „Das sehen wir auch.“ Doch so leicht wie am späten Sonntagnachmittag gegen die harmlosen Gladbacher wird es den Berlinern vermutlich nicht mehr häufig gemacht werden. „Der Anfang war eine Katastrophe“, sagte Torhüter Jörg Stiel. Danach wurde es bei den Borussen nur bedingt besser. „Wir haben unglaublich naiv nach vorne gespielt“, sagte Trainer Meyer. Hertha hatte den Gegner folglich allzeit unter Kontrolle, und die Kritik des Berliner Trainers richtete sich allein gegen die äußeren Bedingungen. „Auf so einem Platz muss man 2003 eigentlich nicht mehr spielen müssen“, sagte Stevens – obwohl es seine Mannschaft gewesen war, die letztlich davon profitiert hatte, dass es im Auslaufmodell Bökelberg immer noch keine Rasenheizung gibt.

„Nach dem 2:0 hat Hertha hinten dicht gemacht“, sagte Gladbachs Stürmer Arie van Lent, der gegen die Berliner Verteidiger wenig auszurichten wusste. „Die ganze Abwehr hat hervorragend gespielt“, sagte Manager Dieter Hoeneß. Und nur Arne Friedrich bemängelte hinterher, „dass wir uns normalerweise noch die eine oder andere Konterchance hätten herausspielen müssen“. Marcelinho scheiterte in der zweiten Halbzeit noch einmal frei vor Gladbachs Torhüter Stiel, doch es reichte auch so. „Wer weiß“, sagte Herthas Mittelfeldspieler Thorben Marx, „wenn Gladbach das 1:2 erzielt hätte, wäre es vielleicht noch einmal eng geworden.“ Vermutlich nicht.

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