Sport : Der stille Don

Eishockey-Trainer Don Jackson fiel beim EHC Eisbären kaum auf – nun hat er in Düsseldorf Erfolg

Claus Vetter

Berlin - Die Fans der New York Rangers waren aufgeregt. Sie pfiffen und schrien. Derlei Unmutsäußerungen gab es in den achtziger Jahren im Madison Square Garden häufig. Denn der Eishockey-Traditionsklub aus der National Hockey-League (NHL) gab regelmäßig große Ziele aus, die er regelmäßig verpasste. Das war in der Saison 1986/87 nicht anders, in der ersten Play-off-Runde schieden die Rangers aus – im Garden. Ein Profi der New Yorker, der nicht gespielt hatte, beobachtete das tobende Volk. „Die Gesten der Fans waren eindeutig. Die Situation drohte zu eskalieren“, erzählt Don Jackson. „Da habe ich mir gedacht: Gehe hin, rede mit denen.“

Jackson stieg also zum oberen Rang der mehr als 18000 Besucher fassenden Arena hoch und redete. „Plötzlich wurden die Fans freundlich.“ Sie interessierten sich aber nicht nur für seine Worte, sondern auch für den Ring an seiner Hand: den Stanley-Cup-Ring. Den bekommt ein Profi, der in der NHL den Titel erringt. Jackson hatte ihn mit den Edmonton Oilers gewonnen. Ein Fan fragte, ob er den Ring mal anfassen dürfe. „Ich gab ihm den Ring und ahnte nicht, was dann passieren würde.“ Der Ring wanderte von Fan zu Fan, über den Oberring der Arena – und kam wieder bei Jackson an. Die Fans hatten sich dank des unbeabsichtigten Ablenkungsmanövers beruhigt. Jackson lacht. „Das ist lange her.“

Der stämmige, 49 Jahre alte Mann aus dem US-Bundesstaat Minnesota redet nicht gern über sich selbst. Dabei liegt eine große Spielerkarriere hinter ihm. Er hat mit Wayne Gretzky 1984 und 1985 den Stanley-Cup gewonnen. Doch schon bei den Oilers hatte er sich im Hintergrund gehalten – als zuverlässiger Verteidiger. Jackson ist bescheiden geblieben, obwohl er nun mehr in der Öffentlichkeit steht als früher. Nach seiner aktiven Zeit hat er meist als Kotrainer gearbeitet, jetzt ist er Chefcoach: in der Deutschen Eishockey-Liga, bei der Düsseldorfer EG.

Der Weg dorthin war „eindeutig mit Pierre Pagé verbunden“, sagt Jackson. Von 1992 bis 1994 war er Kotrainer unter Pagé beim NHL-Klub Quebec Nordiques. Zuletzt assistierte er bei den Ottawa Senators – bis zur Aussperrung in der NHL. „Plötzlich war ich arbeitslos.“ Jackson suchte in Europa einen Job, in Salzburg. Vergebens. Das war im Februar. Pagé erfuhr vom Unglück seines ehemaligen Kotrainers – und holte ihn als Assistenten zum EHC Eisbären nach Berlin. „Kaum einer weiß so viel über Eishockey wie Don“, sagt Pagé. Jackson wurde in Berlin mit seiner stillen Art ein Gegenpol zum temperamentvollen Pagé. Produkt der Zusammenarbeit war der Meistertitel für die Eisbären.

Der Titel war eine gute Referenz für Jackson, auch wenn der Kotrainer in Berlin nur wenigen aufgefallen war. Düsseldorf wollte ihn als Cheftrainer. Unter ihm scheint es bei der DEG jetzt wieder aufwärts zu gehen: Der Klub steht nach acht Spielen auf Rang fünf – einen Platz vor dem Meister, bei dem die Stimmung nach zwei Niederlagen gedrückt ist. Berlins Trainer Pagé fordert „mehr Konstanz“, und Manager Peter John Lee sagt, „dass unsere jungen Spieler mehr Druck brauchen, die sind zu viel gelobt worden“.

Ausgerechnet heute spielen die Eisbären bei der DEG. „Das Spiel ist etwas Besonderes, meine Frau kommt extra aus den USA, um es zu sehen“, sagt Jackson. Noch wohnt das Ehepaar Jackson getrennt. Ein paar nette Worte findet Don Jackson auch noch für den Gegner: „Bei den Eisbären geht es bald wieder aufwärts.“ Dass er hofft, dass die Berliner nicht ausgerechnet heute in Düsseldorf die Wende einleiten, fügt Jackson nicht hinzu. Das ist eben nicht seine Art.

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