• Der stille Formel-1-Pilot bekommt Millionen-Angebote und gilt als heimlicher Favorit auf dem Nürburgring

Sport : Der stille Formel-1-Pilot bekommt Millionen-Angebote und gilt als heimlicher Favorit auf dem Nürburgring

Hartmut Moheit

Die Augen sagen alles: Heinz-Harald Frentzen amüsiert sich. Was soll er auch weiter sagen? Es hätte ja kaum einen Zweck. Ob er abwiegelt, mit Fakten zu überzeugen versucht - oder einfach still ist - die Geschichten über seine Person treiben nach dem Sieg von Monza ohnehin viele Blüten. Die angebliche 30-Millionen-Offerte vom zukünftigen Jaguar-Rennstall ist nur eines der Beispiele. Nur nicht verrückt machen lassen, scheint er zu denken. Mit dieser Einstellung fährt der Aufsteiger des Jahres in der Formel 1 derzeit am besten.

Druck für die letzten drei Rennen der Saison möchte sich der Deutsche im gelben Jordan-Mugen-Honda auf keinen Fall aufladen lassen. Bei der Frage nach dem Favoriten auf den Titel, da lehnt er sich genüßlich zurück und überläßt anderen das Wort: Mika Häkkinen etwa, David Coulthard oder Eddie Irvine. "Wenn wir weiterhin Best of the Rest bleiben, ist die Saison ein Mega-Erfolg", lässt Frentzen sich entlocken. "Ich bin der David gegen mehrere Goliathe." Aber, wehe wenn die anderen einen Fehler machen: Zehn Punkte Rückstand im WM-Kampf hinter Titelverteidiger Häkkinen schließen Träume nicht aus.

Vom Buhmann zum Titelaspiranten in nur zwölf Monaten - der Wechsel vom Williams-Team zum Familienbetrieb bei Jordan hat Frentzen gut getan. Es kursieren über den Sohn eines Bestatters in Mönchengladbach aber auch Geschichten, die erklären sollen, warum er den Highspeed-Sport mit einem besonderen Gefühl und Lockerheit betreibt. Demnach lernte der 32-Jährige das Autofahren am Steuer eines Leichenwagens. "Ich denke, dass mein weicher Kurven-Fahrstil etwas damit zu tun hat. Wenn ich zu schnell um die Kurven gefahren bin, flogen hinten die Blumenarrangements durcheinander", erzählt er tatsächlich allen Ernstes. Ebenfalls kein schwarzer Humor soll es sein, dass er sich in seiner Lehrlingszeit immer hinter dem Lenkrad verkroch. Es wollte so aussehen lassen, als ob niemand den Leichenwagen fahren würde.

Heute hat der Rheinländer absolut keinen Grund mehr, sich zu verstecken. Die Siege in Magny-Cours und in Monza waren so überlegt herausgefahren, dass viele Frentzen-Zweifler verstummt sind. Darin liegt wohl auch Ursache, warum er in der Öffentlichkeit immer noch äußerst schlecht verkauft wird. Es gehört Courage dazu, ein Fehlurteil über einen Formel-1-Fahrer zu revidieren. Man stelle sich nur die Euphorie vor, wenn Michael Schumacher in Monza wieder den Sieg im Ferrari-Land Italien für sich verbucht hätte.

Frentzen tut in der für ihn so verheißungsvollen Situation vor dem Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring gut daran, sich nicht zum Favoriten küren zu lassen. Im Falle eines - kaum zu erwartenden - Einbruchs wäre er für viele sehr schnell wieder Verlierer. Für einen seiner schärfsten Kontrahenten, der zuletzt mit großen Sprüchen die Szene in Unruhe versetzte, ist er das offensichtlich schon heute: Ferrari-Pilot Irvine. "Heinz-Harald ist ein paar gute Rennen gefahren, mehr nicht", sagt der Nordire, "er spielt keine Rolle mehr."

Die Experten erwarten jedoch, dass die roten Boliden aus Maranello kaum Siegchancen haben werden. Entwicklung findet eher bei Jordan statt. Der über 800 PS starke Motor soll bereits in beim nächsten WM-Lauf in Malaysia zum Einsatz kommen, und einige kleinere Details, die erst für die nächste Saison vorgesehen waren, kommen dort bereits zum Einsatz.

Frentzen hofft, dass am Nürburgring das Wetter mitspielt. Jordan-Chefdesigner Mike Gascoyne ist sich sicher: "Wenn es in der Eifel regnet, ist Heinz-Harald der Beste." Aber selbst der Auffassung seines eigenen Team-Mitgliedes widerspricht Frentzen: "McLaren-Mercedes hat das größte Potenzial. Ich werde aber versuchen, die Silberpfeile zu attackieren." Speziell auf dem Nürburgring sah es für Frentzen noch nie so gut aus. Außer einem sechsten Rang 1997 landete er in der Eifel nur "Nuller". Aber was will das bei einem "Heinz im Glück" schon besagen?

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