Sport : Der Stille ist unruhig

Herthas Chahed will spielen – oder weggehen

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Die Gruppe ist in Aufruhr. Kevin-Prince Boateng nimmt Ashkan Dejagah in den Schwitzkasten, Christopher Samba und Alexander Madlung kreischen dazu – die Jungprofis des Fußball-Bundeslisten Hertha BSC amüsieren sich. Nur einer steht etwas abseits: Sofian Chahed schaut sich die Szene grinsend, aber aus sicherer Entfernung an. „Er ist ein sehr ruhiger Typ“, sagt sein Teamkollege Malik Fathi über ihn. Chahed sei so etwas wie der Gegenpol zu den eher ausgeflippten jungen Berliner Spielern, sagt Fathi.

Chahed ist still, aber dennoch sehr selbstbewusst. Der Vertrag des 22 Jahre alten Abwehrspielers, der seit 1999 für Hertha spielt, läuft im Sommer aus. Chahed sagt: „Ich will zu einem Klub, bei dem ich viel spiele. Bei Hertha ist das sehr schwierig.“ Sein Berater Karel van Burik wolle in zwei bis drei Wochen Gespräche mit Herthas Manager Dieter Hoeneß aufnehmen.

Eventuell hat sich Chaheds Sicht der Dinge bis dahin schon verändert: Am Dienstagabend durfte er überraschend von Beginn an gegen Bayern München antreten. „Er hat die Aufgaben zu meiner Zufriedenheit erfüllt“, sagt sein Trainer Falko Götz. Chahed könnte auch am Samstagnachmittag beim VfL Wolfsburg wieder in der Startelf stehen. Falko Götz hat dazu folgende Meinung: „Warum nicht?“

Chaheds Stärke ist seine Vielseitigkeit. Der 1,78 Meter große Abwehrspieler kann in der Innenverteidigung, auf der rechten Seite der Viererkette oder im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden. Auch deshalb erhielt er gegen Bayern München den Vorzug vor dem routinierten Pal Dardai. Götz ließ mit einer Dreier-Abwehrkette spielen, Chahed pendelte zwischen dem hinteren Mittelfeld und der Verteidigung. Unter anderem war es Chaheds Aufgabe, Michael Ballack zu bewachen – der Münchner Regisseur konnte sich selten in Szene setzen. „Mir liegen solche Aufgaben, ich komme im defensiven Mittelfeld sehr gut in die Zweikämpfe“, sagt er.

Bei seinem Bundesligadebüt am 8. Februar 2004, vor ziemlich genau zwei Jahren, hatte Chahed eine ähnliche Aufgabe wie am Dienstag gegen Bayern zu meistern: Er sollte Aliaksandr Hleb ausschalten. Sein damaliger Trainer Hans Meyer schwärmt noch heute von diesem Auftritt: „Das hat er großartig gemacht.“ Chahed bestritt danach noch sieben weitere Partien unter Meyer, er wurde Stammspieler. In der folgenden Saison wurde Götz Trainer – und Chahed saß auf der Bank. In dieser Saison wurde Chahed zweimal eingesetzt. Wenn nicht noch einige Spiele dazukommen, verlässt er die Stadt wohl.

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