Sport : Der streitbare Trainer

Ein Buch über Bernd Stange

Karsten Doneck

Ein Buch, 350 Seiten stark, über Bernd Stange – muss das sein? Es gibt doch prominentere, weil erfolgreichere Fußballtrainer als ausgerechnet Stange. Aber der Mann aus Jena hat als Trainer eine bewegte und damit interessante Laufbahn hinter sich. Stange ist unkonventionelle Wege gegangen: Er hat in der Ukraine, in Australien und im Oman gearbeitet. Als er danach im vom Krieg bedrohten Irak, im Land des Diktators Saddam Hussein, als Nationaltrainer anheuerte, erlangte er einen umstrittenen Ruhm. Es gab damals helle Empörung. Aber auch Verständnis. Von Uli Hoeneß, dem Manager des FC Bayern, zum Beispiel. Der sagte: „Fußball ist völkerverbindend, und solange nur mit Fußbällen geschossen wird, kann man nichts dagegen haben.“ Stanges Erlebnissen im Irak sind viele Seiten in dem Buch gewidmet. Bernd Stange war einst der jüngste Nationaltrainer der DDR, er hat auch eine Zeit lang bei Hertha BSC gearbeitet. Dort holte ihn die Vergangenheit ein: Er sah sich mit dem Vorwurf von Stasikontakten konfrontiert. Autor Heiko Mallwitz lässt dieses dunkle Kapitel in Stanges Trainer-Vita nicht aus. Aber: Er wertet nicht, er verurteilt schon gar nicht, er stellt dar: faktenreich und belegt durch den Abdruck von Dokumenten.

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