Sport : Der Symbolstürmer

Weltmeister Luca Toni kommt zum FC Bayern – und ist doch nicht die wichtigste Neuverpflichtung

Mathias Klappenbach

Berlin - So teuer ist er dann gar nicht. „Exakt elf Millionen“ Ablöse habe der neue Angreifer Luca Toni gekostet, teilte Karl-Heinz Rummenigge gestern mit, als er den schon länger feststehenden Transfer offiziell bestätigte. „Er wird bei uns einen Vertrag bis zum 30. Juni 2011 unterschreiben“, sagte der Vorstandschef des FC Bayern München. Vier Jahre lang soll der italienische Nationalstürmer eine zentrale Rolle in der neuen Bayern- Mannschaft einnehmen, die zunächst die Aufgabe hat, die Schmach dieser Katastrophensaison zu tilgen.

Dafür darf Trainer Ottmar Hitzfeld mit viel Geld eine neue Mannschaft aufbauen. Hitzfeld hat stets betont, dass er während seiner Zeit als Fernsehexperte viele internationale Spiele verfolgt und sich umfassend weitergebildet habe. Es war schon zum Ende seiner ersten Amtszeit das große Problem der Münchner, dass sie keine Spielkultur besitzen. Eine solche ist inzwischen nötig, um sich international als Marke zu etablieren. Der FC Arsenal, der FC Barcelona oder in der Bundesliga Werder Bremen und auch der Meister VfB Stuttgart haben einen Wiedererkennungswert, eine Identität auf dem Platz. Diese ist von Offensive und dem Anspruch geprägt, dem geneigten Zuschauer mehr zu bieten als Erfolge, die auf vorhersagbar effektivem und damit auch langweiligem Ausnutzen punktueller individueller Überlegenheiten einzelner Spieler beruhen.

Einer dieser Spieler, die für diese Fähigkeit in München zwar irgendwie bewundert, aber nicht geliebt werden, ist Roy Makaay. Er hat 2003 mehr als jetzt Luca Toni gekostet, fast 19 Millionen Euro. Der Niederländer hat seinen Auftrag stets erfüllt und sehr viele Tore geschossen. Das könnte jetzt aber nicht mehr reichen. Je nachdem, wen die Bayern noch verpflichten, ist auch der Abschied des meist unauffällig mitlaufenden Torjägers mit der phänomenalen Schusstechnik denkbar. Ein Abschied Makaays wäre sogar ein größeres Zeichen für einen Neuanfang als die Verpflichtung Luca Tonis. Der war Torschützenkönig in Italien und hat einen größeren Name als Makaay, obwohl der Torschützenkönig in Spanien war. Toni ist ähnlich effektiv wie Makaay und technisch versiert. Da er 1,94 Meter groß ist und deshalb etwas hölzern wirkt, ist man nach vielen seiner Tore aber erstaunt, wie er das denn nun hingekriegt hat. Das ist spektakulärer, als wenn Makaay Torvollzug meldet.

Wichtiger als der schon 30 Jahre alte Toni sind für den Neuaufbau aber die anderen Neuzugänge mit ihrem Potenzial. Jan Schlaudraff ist 23 Jahre alt, Hamit Altintop 24, José Ernesto Sosa 21, Marcell Jansen 21. Sosa und Jansen haben jeweils fast genauso viel gekostet wie der neue Star Toni, auch wenn der mit fünf bis sechs Millionen Euro Gehalt neuer Spitzenverdiener beim FC Bayern wird.

Als nächster Wechsel soll der des offensiven Mittelfeldspielers Franck Ribéry von Olympique Marseille kurz bevorstehen. Der Franzose ist 24 Jahre alt und soll sogar 15 Millionen Euro kosten. Wie die anderen Neuen soll Ribéry im Mittelfeld und auf den Außenbahnen für mehr Tempo im Spiel nach vorne sorgen, der FC Bayern stellt seine neue Mannschaft vor allem nach diesem Kriterium zusammen. Wer vorne den Ball reinschießt, ist da zweitrangig.

Zu offensichtlich war in der vergangenen Saison, dass die Entwicklungen im internationalen Spitzenfußball an den Münchnern vorbeigelaufen ist. Die Vielzahl von neuen Spielern im Mittelfeld zeigt, was Hitzfeld vorhat. Vollstrecker Toni erscheint daher eher als symbolhafte Verkörperung des neuen Bayern-Anspruchs denn als zentraler sportlicher Baustein der neuen Mannschaft.

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