Sport : Der Tabellenführer wankt Schalkes Titelchancen sinken nach 1:2 in Bochum

Richard Leipold[Bochum]

Ob sich Geschichte doch wiederholt? Im Frühjahr 2001 hatte der FC Schalke 04 in Bochum einen großen Teil seiner Meisterschaftschancen verspielt. Fast auf den Tag genau sechs Jahre später erlitten die Gelsenkirchener beim 1:2 (1:2) in der Nachbarstadt abermals einen Rückschlag im Kampf um den Titel. Werder Bremen kann Schalke mit einem Sieg in Bielefeld an diesem Sonntag als Spitzenreiter der Fußball-Bundesliga ablösen. Die Bochumer rückten dagegen dem Klassenverbleib dank der Tore von Misimovic und Gekas bei einem Gegentreffer von Kuranyi ein großes Stück näher.

Viele der etwa 12 000 Schalker Fans unter den 31 328 Zuschauern im Bochumer Stadion waren dem Aufruf gefolgt, in Weiß zu erscheinen, auf dass die Spieler nicht nur hören, sondern auch auf den ersten Blick sehen sollten, wie viele Anhänger den Tabellenführer unterstützten. Sogar Trainer Mirko Slomka, die Vorstandsmitglieder, der Aufsichtsratvorsitzende und ihre Begleiterinnen trugen das weiße T-Shirt mit der Aufschrift „Nordkurve – in deiner Stadt“. Anfangs sah es so aus, als sollte es zumindest das Spiel der Schalker werden. Kevin Kuranyi nutzte einen Freistoß von Christian Pander mit dem Kopf zum Führungstreffer. Kuranyi profitierte nicht nur von der Präzision der Vorlage, sondern auch von der mangelnden Aufmerksamkeit der Bochumer Abwehr, die keine Anstalten machte, ihn zu stören.

Kuranyis Kompagnon im Angriff hätte den Vorsprung alsbald ausbauen können. Doch einem Tor von Gerald Asamoah stand der Bochumer Schlussmann Jaroslav Drobny im Wege. Beim ersten Mal wehrte der Tscheche den Ball zur Ecke ab, beim zweiten Mal eilte er aus seinem Tor und kam dem Stürmer im Kampf um den Ball zuvor. Die Spieler des VfL wussten sich oft nur durch Fouls zu helfen. Nach einer guten halben Stunde waren schon vier von ihnen mit der Gelben Karte verwarnt.

In dieser Phase fiel es den Schalkern leicht, den Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten – vielleicht zu leicht. Je länger die erste Hälfte dauerte, desto genügsamer wurde der Favorit. Und Bochum fasste allmählich Mut. Nach gut einer halben Stunde nahm Regisseur Misimovic, sonst für seine filigrane Fußarbeit bekannt, eine Flanke von Dennis Grote ausnahmsweise mit dem Kopf und erzielte den Ausgleich. Schalke versuchte, die Schieflage wieder mit einem Freistoß zu richten. Pander traf jedoch nur den Pfosten. Die Bochumer ließen sich durch solche Schreckschüsse nicht mehr beeindrucken. Im Gegenteil: Es kam noch besser für den VfL, weil ihr Torjäger vom Dienst, Theofanis Gekas, die Chance nutzte, in seinem vorletzten Heimspiel für Bochum Großes zu leisten. Kurz vor der Pause verwertete der Grieche eine Vorlage des Verteidigers Marcel Maltritz zum 2:1, für den Führenden der Torschützenliste war es schon das 19. Saisontor.

Nach der Pause wurde den Schalkern offenbar bewusst, dass sie drauf und dran waren, ihre günstige Position im Titelkampf zu verspielen. Sie übten wieder mehr Druck auf den Gegner aus, aber ihr zunehmend hektisches Anrennen blieb unproduktiv; gegen die konzentriert verteidigende Heimelf vermochten sie sich nicht entscheidend durchzusetzen. Kapitän Bordon und abermals Pander schossen knapp über das Ziel hinaus, und Kuranyis Kopfball prallte gegen den Pfosten. Die Bochumer befreiten sich nur selten von der Belagerung ihres Strafraums. Dennoch hätte die Schalker Niederlage sogar höher ausfallen können. Kurz vor Schluss traf auch Misimovic den Pfosten.

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