Sport : Der Täter schweigt

Die Jagd nach Dopingsündern stößt an Grenzen

Markus Huber[Wien],Frank Bachner

Sie können suchen und rätseln im deutschen Team, aber den Namen jenes Läufers und Deutschen Meisters von 2009, der angeblich von dem österreichischen Sportmanager Stefan Matschiner Dopingmittel erhalten hatte, werden sie nicht erfahren. Nicht von Matschiner jedenfalls. Das hatte der Österreicher am Donnerstag telefonisch Peter Schmitt, dem Mediendirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV), mitgeteilt. DLV-Vizepräsident Eike Emrich hatte Matschiner zuvor nicht erreicht und um Rückruf gebeten. Nach Schmitts Aussage erklärte Matschiner: „Ich werde den Namen auf gar keinen Fall sagen, ich will keinen an den Pranger stellen. Mir geht es um die Aufdeckung des Systems. Ich bin nur ein kleiner Mann, ich weiß, dass ich das System nicht ändern kann, trotzdem informiere ich.“

Emrich sagte gestern: „Wir haben sogar jeden Athleten, der betroffen sein könnte, befragt, obwohl ich das für eine Zumutung halte.“ Das Ergebnis war erwartungsgemäß: keinerlei Hinweise.

Gute Eigen-PR ist meistens eine Frage des richtigen Timings, und Matschiner weiß das sehr gut. Der wegen der Weitergabe von Dopingpräparaten angeklagte Ex-Manager des ehemaligen Radprofis Bernhard Kohl hatte Mitte Juli, am Höhepunkt der Tour de France, der „Süddeutschen Zeitung“ ein Interview gegeben. Dabei teilte er mit, er habe zwei deutsche Radprofis mit Präparaten versorgt. Namen? Keine. Jetzt hat er in der ARD-Dokumentation „Geheimsache Doping“ geredet. Es spricht wenig dagegen, dass Matschiner wirklich nicht bloß Kohl mit Dopingmitteln versorgt hat, weshalb auch sollte er sich ohne Grund selbst belasten? Das Problem sind seine Andeutungen. Mit diesen mysteriösen Hinweisen kann niemand etwas anfangen. Die Dopingjäger, denen Matschiner ja angeblich helfen will, erst recht nicht.

Aber diese Taktik passt gut zu seiner Verteidigungslinie für seinen Prozess im Oktober. Matschiner will offensichtlich vor allem darauf hinweisen, dass weite Teile des Spitzensports dopingverseucht sind. Seine Strategie: Ich war nur ein kleines Licht in einem riesigen System.

Matschiner war in Österreich schon lange bekannt und hatte alles andere als einen guten Ruf. Dass er mit Dopingmitteln operierte, war vielen bekannt, in nicht einmal sehr kleinem Kreis hatte er selbst immer wieder mit seinen Produkten und Methoden geprahlt. Wirklich Angst vor Kontrollen, so einer seiner Freunde, habe Matschiner dabei nie gezeigt.

Für DLV-Präsident Clemens Prokop ist das alles völlig unbefriedigend: „Das Dilemma des Sports ist es, dass niemand vorgeladen und zur Aussage gezwungen werden kann. Sportgerichte sind zahnlose Tiger.“

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