Der Tag danach : Hertha auf dem Wege der Besserung

Bei Hertha BSC ist man froh, dass die Zeit der gegenseitigen Blockade nun vorüber ist.

Michael Rosentritt
´Werner Foto: ddp
Werner Gegenbauer, Herthas Präsident.Foto: ddp

Berlin - Vor wenigen Wochen ist es auf dem Gelände von Hertha BSC zu einem schweren Sturz gekommen. Auf dem Weg zur Geschäftsstelle stürzte Herthas ehemaliger Präsident Wolfgang Holst. Holst, inzwischen 86 Jahre alt und Mitglied im Ältestenrat des Berliner Bundesligisten, hatte sich schwer verletzt: Bruch der Kniescheibe plus Leistenbruch, wie sich später im Krankenhaus herausstellte. Doch Holst wollte sich nicht vom Weg abbringen lassen. Als er seine Kollegen aus dem Ältestenrat erreichte und mit blutender Stirn gefragt wurde, was denn passiert sei, soll Holst geantwortet haben: „Ich habe Dieter Hoeneß getroffen.“ Kurze Pause. „Ihr müsstet erst mal sehen, wie Hoeneß aussieht.“

Es war natürlich ein Scherz, den sich der frühere Gastronom („Holst am Zoo“), Vereinsmitglied seit 1960, erlaubte. Doch es ist kein Geheimnis, dass Hoeneß in Holst einen seiner stärksten Kritiker hatte. Inzwischen befindet sich Holst auf dem Weg der Besserung, wie Heinz Striek sagt. Striek, 90 Jahre alt, ehemaliger Finanzsenator Berlins und 22 Jahre lang Präsidiumsmitglied bei Hertha, steht heute dem Ältestenrat vor. Die Nachricht von der Trennung von Dieter Hoeneß vernahm er mit großer Erleichterung. „Ich glaube, dass der Schritt überfällig war. Die Spannungen zwischen den handelnden Personen waren schädlich für den Verein, und zwar nach innen und außen.“

Doch nicht nur im Ältestenrat machte sich seit gestern Erleichterung breit. Auch auf der Geschäftsstelle, wo zuletzt ein Klima der Missgunst, der Beklemmung und Angst herrschte, hat die Nachricht vom Ausscheiden Hoeneß’ befreiend gewirkt. Offiziell möchte noch niemand sprechen, aber der Tenor ist gleich. Auch der Ältestenrat atmet förmlich auf: „Ich hatte große Sorge, dass sich zwei große Persönlichkeiten, nämlich Manager Hoeneß und Trainer Favre, am Ende nur noch blockierten“, sagt Striek. Allerdings seien wertvolle Tage verloren gegangen, um auf dem Transfermarkt tätig zu werden. Zudem habe der Verein bekanntermaßen nicht die Mittel, die Mannschaft nachhaltig zu verstärken. „Ich glaube, dass wir in eine ganze schwere Saison starten werden“, sagt Striek.

Zu den Hinterlassenschaften einer allzu laxen Haushaltsführung von Dieter Hoeneß gehören auch jene 33 Millionen Euro, die Hertha immer noch als Schulden drücken. Der Personaletat soll daher in der neuen Saison von 33 auf 28 Millionen Euro sinken, zudem muss der Klub einen Transferüberschuss von fünf Millionen Euro erwirtschaften. „28 Millionen sind immer noch eine Summe, mit der man Bundesliga-Fußball spielen kann“, entgegnete gestern Herthas Präsident Werner Gegenbauer. „Ich glaube nicht, dass wir unruhig schlafen müssen.“

Als sicher gilt zumindest, dass die Vertragsauflösung zwischen Hertha und Hoeneß den Etat nicht zusätzlich belasten wird. Hoeneß wird das Restgehalt seines eigentlich bis 30. Juni 2010 laufenden Vertrages zugestanden, inklusive der vereinbarten Prämienzahlung, die sich aus der Teilnahme am Europapokal ergibt. Insgesamt handelt es sich um eine Summe, die bei etwas mehr als einer Million Euro liegt. Vermutungen, wonach sich Dieter Hoeneß, der nach seinem Bruder Uli (30 Jahre im Amt) dienstältester Manager der Fußball-Bundesliga ist, die Vertragsauflösung zusätzlich bezahlen lässt, sind unwahr. Präsidiumsmitglieder sprechen in diesem Zusammenhang von einem fairen Verhalten des scheidenden Geschäftsführers. Man sei froh, dass Hoeneß doch noch eingelenkt habe und sich die Trennung nicht habe teuer bezahlen lassen.

„Wir sind derzeit absolut arbeitsfähig“, sagt Präsidiumsmitglied Ingmar Pering. Die anstehenden Aufgaben könnten nun endlich angegangen werden, heißt es aus der Vereinsführung. „Es sind keine einfachen“, sagt Pering. Auch Heinz Striek sieht „Eile geboten, die notwendigen personellen Entscheidungen zu treffen“. Am Mittwoch wird Herthas Präsident Werner Gegenbauer mit dem Ältestenrat zusammenkommen, am Tag darauf tagt das neunköpfige Präsidium des Vereins. Dann wird es unter anderem darum gehen, welche weiterreichenden Konsequenzen sich aus der Trennung von Dieter Hoeneß ergeben. Drastische personelle Veränderungen in Herthas zweiter Führungsebene werden allerdings nicht erwartet. Es wird sich in den nächsten Tagen zeigen, ob es Mitarbeiter gibt, „die von sich aus über Veränderung nachdenken“, wie es aus der Hertha-Führung heißt.

Die Berufung von Michael Preetz zum neuen Geschäftsführer Sport wird von sämtlichen Gremien getragen. „Ich glaube, es wird ein anderes Klima einziehen“, sagt Striek. Vorbei sind die Zeiten der One-Man-Show eines allmächtigen Managers. Preetz verstehe sich als Teamplayer und setze auf Kommunikation und Vertrauen, glaubt Striek. Der 41-Jährige pflege einen ganz anderen Stil, er sei in der Lage, die Mitarbeiter neu zu motivieren: „Das wird Kräfte freisetzen bei den Mitarbeitern der Geschäftsstelle. Jeder braucht doch mal ein gutes Wort. Soviel ich weiß, war Herr Hoeneß dazu nicht in der Lage.“ Striek ist aber noch aus einem weiteren Grund optimistisch. Wenn alles gut läuft, sagt er, „dann wird Wolfgang Holst morgen entlassen“. Aus dem Krankenhaus.

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