Sport : Der Tagesspiegel

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Über Fußballerfrisuren ist schon viel gesagt worden. Zu viel, behaupten manche. Aber gucken Sie mal oben. Christian Ziege hat sich bekanntlich für die WM von seiner Frau eine Deutschlandflagge auf die Schädeldecke machen lassen. Auf dem Kopf des Nigerianers Taribo West wachsen zwei Palmen, und David Beckham sowie Fredrik Ljungberg laufen mit einem (milden) Irokesenschnitt durch die Gegend. Warum machen die das? Weil die Mode das so will. Weil Fußball wieder Punk sein soll, 25 Jahre nach den Sex Pistols. Die Herren oben sind alle Millionäre und wollen trotzdem so aussehen wie Straßenzeitungs-Verkäufer oder die Schnorrer-Bande von der Warschauer Brücke. Schämen die sich vor ihren Fans für ihr Jet-Set-Leben? Wahrscheinlich sollen diese Frisuren die Verbindung herstellen zwischen Bolzplatz und Business-Class, zwischen Gettokicken und Glamour. Aber vielleicht zeugen diese Schnitte auch bloß von fortgeschrittenem Dinstinktionswahn – so wie neulich Effenbergs Ethno-Kutte, die sich auch auf dem Christopher-Street-Day gut gemacht hätte. Der moderne Fußballer will eben nicht mehr nur ein Mann mit Nummer auf dem Rücken, sondern ein Mann mit beachtenswertem Hairstyling sein. Das kommt an, gerade bei den Frauen, die beim Spiel dann kurz gelangweilt gähnen und fragen: „Sag, wer ist denn der mit der Frisur?“ Ach ja, wer jetzt Blut geleckt hat, was die Frisuren betrifft, sollte sich mal die Internetseite www.fiese-scheitel.de ansehen und dort auf „Kickermatten“ gehen. Da lebt der wahre Punk. Über Fußballerfrisuren ist eben noch lange nicht genug gesagt worden. oom

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