Sport : Der Tagesspiegel

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Ehrlich ist er ja. Claudio Caniggia gab nach dem Abpfiff zu: „Ich habe ihn Hurensohn gerufen.“ Das lässt sich keiner gerne gefallen. Schon gar nicht ein Schiedsrichter bei einem Fußballspiel bei einer WM. Also sah der Argentinier am Mittwoch Rot im Spiel gegen Schweden (1:1). Schiedsrichter Ali Bujsaim (Vereinigte Arabische Emirate) fühlte sich zutiefst beleidigt. Kurios allerdings, wo sich Caniggia befand, als er in die Kabine geschickt wurde – auf der Ersatzbank. Eine der vielen ungewöhnlichen Szenen bei dieser Weltmeisterschaft, bei der ein Schiedsrichter im Mittelpunkt stand. Caniggias Strafe war ja noch nachvollziehbar. Andere Entscheidungen aber sind es nicht, und so stehen die Unparteiischen schon jetzt heftig in der Kritik. „Es werden zu viele Karten verteilt, und es wird zu schnell Elfmeter gepfiffen“, sagte DFB-Vizepräsident Franz Beckenbauer, nachdem der spanische Schiedsrichter Nieto bei Deutschland gegen Kamerun (2:0) gleich zwölfmal Gelb und zweimal Gelb-Rot (gegen Ramelow und Suffo) gezeigt hatte. „Der Nieto war eine Niete, eine Zumutung. Er konnte das Spiel nicht verpfeifen, weil er es erst gar nicht zu einem Spiel kommen ließ“, sagte Beckenbauer. Nieto gelang ein WM-Rekord. Der alte war freilich nur ein paar Stunden alt. Der Niederländer Jan Wegereef zeigte bei Senegal gegen Uruguay (3:3) zwölfmal Gelb. „Ich sage nie mehr was über Exoten“, sagte Beckenbauer, der die Schiedsrichter aus den so genannten kleinen Ländern zuvor heftig kritisiert hatte. Dazu sind Holland und Spanien kaum zu zählen. Bei der Schiedsrichter-Kommission der Fifa bleibt man gelassen. „Ich denke nicht, dass unsere Schiedsrichter Druck spüren. Es wird nicht schwerer für sie, die kommenden Spiele zu leiten“, sagte der Fifa-Funktionär Mick Michels aus Belgien. Dennoch reagierte der Verband auf die Schelte – allerdings auf ungewöhnliche Weise. Umstrittene Szenen werden den Zuschauern im Stadion nicht mehr in Zeitlupe auf einer Videowand geliefert. Damit soll eine massive Beschimpfung der Schiedsrichter verhindert werden. Aber auch die Linienrichter stehen stark in der Kritik. Bei der 1:2-Niederlage Italiens gegen Kroatien wurde Italiens Tor zum 2:2 zum Beispiel von einem Schiedsrichter-Assistenten annulliert. Dazu Volker Roth, Mitglied der Fifa-Schiedsrichterkommission: „Linienrichter haben teilweise eine andere Ausbildung als Schiedsrichter.“ Die Erkenntnis hilft kurzfristig kaum. Und ein Videobeweis? Kein Thema. „Der Spielfluss würde zu häufig unterbrochen“, sagt Ali Bujsaim, der souverän das Eröffnungsspiel zwischen Frankreich und Senegal geleitet hatte – und am Mittwoch mit seiner Roten Karte richtig lag.

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