Sport : Der Teilzeithüter

Herthas Torwart Tremmel wird gegen Frankfurt spielen – danach muss er wieder auf die Bank zurück

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Eine Stunde und zwanzig Minuten vor dem Trainingsbeginn betrat Gerhard Tremmel die Mannschaftskabine auf dem Vereinsgelände von Hertha BSC. Der 27-Jährige ist häufig überpünktlich, doch in dieser Woche ist er besonders früh beim Training. „Ich bin bereit“, sagt der Torhüter nur. Am Samstag spielt der Fußball-Bundesligist Hertha BSC bei Eintracht Frankfurt – höchstwahrscheinlich mit Gerhard Tremmel im Tor.

Herthas erster Torhüter Christian Fiedler leidet noch immer an den Folgen seines vor knapp einer Woche im Spiel gegen Hannover 96 erlittenen Muskelfaserrisses. „Wenn ich springe, dann sticht es im Oberschenkel“, sagt er. Die Verletzung könnte wieder aufbrechen. Dieses Risiko will Hertha nicht eingehen. Zum Heimspiel gegen den FC Bayern München am Dienstag wird Fiedler wahrscheinlich wieder fit sein. Auch der Mittelfeldspieler Gilberto fällt gegen Eintracht Frankfurt definitiv aus. Gilberto hatte sich im Spiel gegen Hannover eine Gehirnerschütterung zugezogen.

Gerhard Tremmel wollte die Verletzungen seiner Mannschaftskollegen gestern nicht kommentieren. Und auch sonst gab sich der launische Torwart in den letzten Tagen sehr wortkarg. „Dreimal durfte ich zu Saisonbeginn die Kiste hüten, darunter auch im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt, das wir 2:0 gewannen“, wird er auf seiner Homepage zitiert. Da hatte Fiedler eine schwere Verletzung am Ellenbogen. Doch für Trainer Falko Götz war es damals genauso klar wie heute, dass Tremmel nach der Rückkehr Fiedlers wieder aus dem Tor verschwinden muss. Unabhängig von der Leistung, die er bringt. „Wir haben eine klare Hierarchie bei den Torhütern, und daran wird sich auch nichts ändern“, sagte Falko Götz gestern.

Herthas dritter Torwart Kevin Stuhr-Ellegaard weiß, wie Tremmel das findet: „Es ist extrem schwer für ihn, aber er geht sehr professionell damit um und arbeitet trotzdem hart.“ Öffentlich beschwert hat Tremmel sich noch nie darüber, dass er nur die Nummer zwei ist. Und vielleicht hat Hertha seinen Vertrag im vorigen Sommer auch deshalb um ein Jahr verlängert. Christian Fiedlers Vertrag läuft noch bis 2008. Gerhard Tremmel will trotzdem in Berlin bleiben. Auf seiner Homepage schreibt der hagere, 1,90 Meter große Torhüter von einem „Bewerbungsschreiben“ für einen neuen Vertrag und meint damit seine guten Leistungen bei zwei Hallenturnieren Herthas in der Winterpause.

Lorenz-Günter Köstner, unter dem der damals 21-jährige Tremmel bei der Spielvereinigung Unterhaching erstmals in der Bundesliga eingesetzt wurde, sagt: „Tremmel hat diese ,Ist-mir-egal-Mentalität‘. Das ist seine Stärke, aber auch seine Schwäche.“ Dem Torwart fehle darum manchmal der unbedingte Wille, sagt Köstner. Christian Fiedler findet, dass die Ruhe eine der großen Stärken von Tremmel sei. Vielleicht ist Gerhard Tremmel manchmal ein bisschen zu ruhig.

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