Sport : Der Teufel packt die Seele

Klaus Rocca

Eigentlich wollte er an der Algarve völlig abschalten, den Urlaub so richtig genießen. Doch als Henning Opitz, Vorsitzender des Handball-Verbandes Berlin, in Faro landete, klingelte bereits sein Handy. Die Nachricht, die er vernahm, war alarmierend: Nach der vom Senat geplanten Reduzierung des Sporthaushalts um 25 Prozent hat der Berliner Landessportbund (LSB) neben sieben anderen Sportarten auch Handball die Rote Karte gezeigt. Diese Sportarten sollen künftig nicht mehr finanziell gefördert werden. "Das wäre eine Katastrophe. Da bin ich seit Jahren für unseren Sport hinterm Geld her wie der Teufel hinter der Seele - und dann das", stöhnte Opitz.

Gestern Nachmittag wurde er aktiv. Aus seinem Urlaubsort veranlasste er ein Fax an den LSB, in dem er energisch gegen die Pläne protestierte. Die Entscheidung sei "überhaupt nicht nachvollziehbar". Es sei auch ohne jeden Stil, dass er die Sache von Journalisten erfahren habe, anstatt persönlich informiert zu werden. Gleichzeitig drohte Opitz mit seinem Rücktritt von seinem Ehrenamt, sollte es bei der Entscheidung bleiben. Erst am vergangenen Freitag hatte sich der Handball-Verband gemeinsam mit dem LSB, dem Frauen-Bundesligisten SV BVG 49 und dem voraussichtlichen Zweitliga-Aufsteiger bei den Männern, den Reinickendorfer Füchsen, an einen Tisch gesetzt. Opitz: "Da war von einem Stop der Förderung für den Handball überhaupt nicht die Rede."

Im Vorjahr waren die LSB-Zuschüsse bereits von 85 000 DM auf 56 000 Mark gekürzt worden. Dazu schrieb Opitz im Fachorgan "Handball in und um Berlin": "Da werden heute Zusagen gegeben und Vereinbarungen getroffen, die morgen nichts mehr wert sind." Für dieses Jahr hatten die Handballer mit rund 37 000 Euro kalkuliert. Bliebe es beim Wegfall der Zuschüsse, müsste der Verband nach Ansicht von Opitz als erster von 22 Landesverbänden auf die gesamte Talent- und Nachwuchsförderung verzichten. Damit würde auch der Deutsche Handball-Bund verprellt werden, der von den Verbänden jeweils vier männliche und weibliche Nachwuchskader fordert.

Nicht mehr zu bezahlen wären auch der Landestrainer Gernot Funk und die sechs Honorartrainer. Funk erhält derzeit rund 23 000 Euro pro Jahr, wovon der Handball-Verband zwei Drittel und der LSB den Rest bezahlt. Funks Vertrag mit dem HVB läuft noch bis zum Jahresende. "Dann werde ich wohl arbeitslos sein. Und das nach mehr als 20 Jahren hauptamtlicher Trainertätigkeit", sagte Funk. Auf seine Hilfe müssten dann auch das Coubertin-Gymnasium und die Werner-Seelenbinder-Schule verzichten. Dort ist bislang auch noch der BVG-Coach Rüdiger Bones tätig, der vor zwei Jahren noch zweiter Landestrainer war und dessen Stelle nach Kürzung der Fördermittel nicht mehr finanzierbar war.

Der SV BVG und die Reinickendorfer Füchse (im Falle des Aufstiegs) wären von den Kürzungen nicht betroffen. Beide Vereine werden voraussichtlich von den Spielbank-Geldern profitieren, die erstmals vom LSB verteilt werden sollen.

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