Sport : Der Titel dahinter

Alonso ist in der Formel 1 uneinholbar – jetzt kämpfen McLaren-Mercedes und Renault um die Team-WM

Karin Sturm[Suzuka]

Die Bilanz von McLaren-Mercedes in der zweiten Saisonhälfte der Formel-1-Weltmeisterschaft 2005 ist eindrucksvoll. In den zurückliegenden fünf Rennen kam in Kimi Räikkönen oder Juan Pablo Montoya der Sieger jeweils aus dem britisch-deutschen Team. Doch trotz dieser Serie ging der Weltmeistertitel an Fernando Alonso und Renault.

Vor dem 18. und vorletzten WM-Lauf dieses Jahres, dem Großen Preis von Japan in Suzuka am Sonntag (7 Uhr 30, live auf RTL und Premiere), gilt nun die Konzentration bei McLaren-Mercedes dem Gewinn des Konstrukteurstitels. Zwei Punkte beträgt in dieser Wertung der Vorsprung vor Renault. „Für mich wäre die Fahrer-WM natürlich wichtiger gewesen“, sagt Kimi Räikkönen, der sich vor zwei Wochen beim Grand Prix in Brasilien nach Punkten endgültig Alonso geschlagen geben musste. „Aber ich weiß natürlich, wie wichtig es für das Team ist, den Konstrukteurstitel zu holen. Deshalb wird niemand von uns jetzt im Geringsten nachlassen – im Gegenteil.“

Diese Aussage entspricht ganz dem Ansinnen von McLaren-Chef Ron Dennis, der dem Konstrukteurstitel fast größere Bedeutung beimisst als der Fahrer-WM. Dahinter verbirgt sich wohl auch eine Aversion gegenüber Renault-Teamchef Flavio Briatore, dem er zu gern noch eine Niederlage beibringen würde.

Vor diesem Hintergrund spielt Flavio Briatore die Bedeutung dieses zweiten WM-Kampfs gern ein bisschen herunter: „Wir versuchen natürlich alles, auch da zu gewinnen, aber wir sind schon mal sehr zufrieden, mit Fernando den Fahrertitel geholt zu haben“, sagt er. Vor kurzem hatte Briatore bereits verkündet, dass sich die Fans „im Prinzip doch sowieso nur an die Fahrer-Weltmeister erinnern würden“. Dass man das in der Renault-Konzernzentrale vielleicht ein wenig anders sieht, zeigt sich daran, dass man teamintern noch einmal einen besonderen Prämienanreiz für alle Mechaniker geschaffen hat. Gäbe es nach dem Fahrer- auch noch den Konstrukteurstitel, würde sich deren WM-Prämie von 4500 auf mehr als 16000 Euro erhöhen.

Für einen Automobilhersteller ist die Konstrukteurs-WM schließlich in Werbung und Marketing durchaus umsetzbar, steht gerade dahinter doch technische Dominanz. Deshalb wäre es ja auch für Mercedes so wichtig, diesen Titel wieder einmal zu gewinnen. Es wäre das erste Mal seit 1998, als Mika Häkkinen auch seinen ersten Fahrer-Titel holte. Vor allem, um die Kritiker zu besänftigen, die immer wieder lautstark die Unzuverlässigkeit der silbernen Rennautos beklagten. Zudem bringt 2006 der Konstrukteurs-WM-Titel nicht nur den prestigeträchtigen ersten Platz in der Boxengasse, auch rein finanziell lohnt er sich für ein Team gewaltig: Genaue Zahlen sind zwar geheim, aber ein paar Millionen zusätzlich sind es schon, die der Weltmeister aus dem großen Prämien- und Preisgeld-Etat von Bernie Ecclestone bekommt.

Deshalb ärgerte sich auch Norbert Haug so gewaltig, als beim Grand Prix in Spa-Francorchamps in Belgien der überrundete BMW-Williams-Fahrer Antonio Pizzonia für seine Attacke, mit der er Juan Pablo Montoya kurz vor Schluss von der Strecke schob, mit einer Geldstrafe von 8000 Dollar davonkam. „Uns können diese acht Punkte, die wir dadurch verloren haben, am Ende sogar Millionen kosten“, sagte der Mercedes-Sportchef.

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