Sport : Der tollste Eigenwerber

Ralf Schumacher arbeitet an seinem Image – um bessere Chancen bei den Vertragsverhandlungen zu haben

Frank Bachner

Hockenheim. Es ist noch nicht lange her, dass Ralf Schumacher im Umgang mit der Öffentlichkeit große Zurückhaltung pflegte. Schumacher war keiner, der die Boulevardzeitungen mit bunten Geschichten bediente. Inzwischen ist das anders. Ralf Schumacher liefert genügend Privates für Millionen Leser. Aber da es in der Formel 1 um viel Geld, um harte, interne Positionskämpfe und Taktik bei Vertragsverhandlungen geht, kann man auch sagen: Ralf Schumacher inszeniert sich kühl kalkuliert. Er benutzt die Medien, und die Medien benutzen ihn.

Die Symbiose gereicht beiden Seiten zum Vorteil. Den einen bringt es Auflage, den anderen Aufmerksamkeit außerhalb der Rennpiste. Vor dem Grand Prix in Hockenheim (Sonntag, 14 Uhr, live bei RTL) durfte nun jeder das Glücksarmband aus Elefantenhaar mit Weißgoldverschluss sehen, das Schumacher vor kurzem von seiner Frau Cora zum Geburtstag bekommen hat. Den privaten Ralf Schumacher gibt es in allen Variationen. Seinen Sohn zeigte er stolz dem „Stern“, und in der „Bild“-Zeitung schrieb er über seinen Sohn: „Er ist schon ein richtiger Telefonexperte. Abnehmen und Auflegen macht er schon wie ein Profi.“ Ralf Schumacher präsentierte auch sein 8000 Euro teures Gewehr. Und seine Frau Cora kommt im Boulevard ebenfalls ausführlich zu Wort: „Ralf ist der tollste Ehemann und Vater, den ich mir vorstellen kann.“

Vermutlich will der Medienmensch Ralf Schumacher einfach einen Kontrast zu seinem Bruder Michael setzen. Weg aus dessen Schatten. Es gibt Fans und Medien, die ihn immer noch in der Rolle von Schumi II sehen, trotz seiner inzwischen sieben Grand- Prix-Siege. Aber es geht ziemlich sicher um mehr. Schließlich liefert sich Ralf Schumacher einen internen Machtkampf mit seinem Teamkollegen Juan Pablo Montoya.

Die beiden sind sich in herzlicher Abneigung zugetan. Montoya provoziert die BMW-Williams-Bosse zwar dauerhaft mit mangelhaften Fitnesswerten, andererseits „ist er bei den Fans ungeheuer beliebt“, sagt BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. So etwas spielt eine Rolle bei Vertragsverhandlungen. Dass der Kolumbianer angeblich schon bei McLaren-Mercedes (ab 2005) unterschrieben hat, ist vermutlich nicht mehr als das übliche Taktieren bei Vertragsverhandlungen.

Ralf Schumacher besitzt nicht die Sympathiewerte des Kolumbianers, aber er kämpft um einen neuen Vertrag mit BMW-Williams. Der bisherige endet zwar erst am Saisonende 2004 (wie der von Montoya), aber sein Manager Willi Weber sondiert schon mal den Markt, um mit Alternativen in die Gespräche mit BMW-Williams gehen zu können. Und ein Sympathieträger Ralf Schumacher, der sich als netter Kerl präsentiert und von den Fans angenommen wird, hat eine bessere Ausgangsposition als ein spröder Typ. Denn eins ist wohl jetzt schon klar: So viel wie bisher – angeblich 14 Millionen Euro pro Jahr – wird Schumacher bei BMW-Williams nicht mehr erhalten. Das sagt auch sein Manager Willi Weber ganz offen.

Williams-Technikdirektor Patrick Head ist zudem immer noch nicht völlig überzeugt von seinem deutschen Fahrer. Jedenfalls präsentiert er sich so in der Öffentlichkeit. Im Frühjahr erzählte Head Journalisten, dass Ralf Schumacher nicht ehrgeizig genug sei. Im Juli legte er in „Sportbild“ noch einmal nach: „Er kommt zum Rennen, fährt – und ist weg. Doch wir wünschen uns einfach, dass er mehr redet: mit den Ingenieuren und Mechanikern, mit uns. Es wäre gut, er hätte mehr Ideen, um das Auto zu verbessern.“ Ein paar Tage zuvor hatte Schumacher den Großen Preis von Europa gewonnen. Anschließend gewann er auch noch den Grand Prix von Frankreich.

Also sucht Ralf Schumacher Sympathie auch außerhalb des Rennkurses. Doch die Selbstinszenierung des Rennfahrers und seiner Frau geht inzwischen auch seinem Manager zu weit. In einem Interview mit der „Rheinischen Post“ kritisierte Weber nun: „Ich will Ralf nicht verbiegen, aber die Darstellung in der Öffentlichkeit muss anders werden.“ Er denkt da vor allem an die von Schumacher geförderte Präsentation seiner Frau: „Da kommt die Königin der Formel 1. Das ist nicht, was ich möchte. Das ist seine Frau Cora – und nicht die Königin.“

Fotografen hätten auch in Hockenheim ein schönes Foto schießen können. Ralf Schumacher kritzelte seine Unterschrift auf einen 50-Euro-Schein. Eine Wand des BMW-Motorhomes benutzte er dabei als Unterlage. Aber dieses Bild hätte ihn auch in ein schiefes Licht rücken können. Auf einem Geldschein zu unterschreiben, in der heutigen Zeit, bei diesen horrenden Eintrittspreisen – das hat schon etwas Anrüchiges. Aber die Kritik wäre auch ein bisschen unfair gewesen. Schließlich hatte ihm ein weiblicher Fan den Schein entgegengestreckt.

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