Sport : Der Torriecher

Der Slowake Marek Mintal hat sich beim 1. FC Nürnberg mit neun Treffern unentbehrlich gemacht

Hans Böller[Nürnberg]

Es kommt immer mehr Besuch aus der Slowakei ins Nürnberger Frankenstadion. Zwei Dutzend Fans und fünf Journalisten waren es am Samstag beim 4:0 gegen Tabellenführer Wolfsburg; entsprechend groß war die Menschentraube, die sich nach dem Spiel um Marek Mintal bildete. „Er wird immer besser mit den Medien“, erklärte der Berichterstatter aus Bratislava den deutschen Kollegen, die staunend zugesehen hatten, wie wort- und gestenreich der 27-Jährige referiert hatte über einen Nachmittag, an dem ihm drei weitere Tore für den 1. FC Nürnberg gelungen waren – die Saison-Treffer sieben bis neun.

Mintal wird auch immer besser beim Fußball, aber darüber spricht er normalerweise kaum. Eher verlegen gibt er sich, brav und mit jungenhaften Gesichtszügen. „Ich bin maximal zufrieden“, sagt er zum Beispiel und Sätze wie diesen: „Es geht um das Beste für die Mannschaft, nicht um mich“, wenngleich, natürlich: „Super sind drei Tore schon.“ Dann lächelt Mintal und ist plötzlich weg.

„Das Phantom der Liga“, so nennt ihn sein Trainer Wolfgang Wolf, und auf dem Platz sieht das manchmal genauso aus. Wie aus dem Nichts ist Mintal zur Stelle. Er spielt nicht einmal sehr auffällig, aber dank seiner enormen Laufarbeit ist er immer da, wo ihn keiner vermutet. Und wenn er auftaucht, ist es meistens zu spät für den Gegner: Mit 18 Treffern gewann er in der vergangenen Saison die Torjäger-Krone der Zweiten Liga, jetzt führt er diese Wertung in der Bundesliga an. „Marek hat ein feines Näschen“, sagt Trainer Wolf und berichtet davon, „dass ich ihn manchmal noch zügeln muss“ – in seinem Tordrang rückt der Mittelfeldspieler den Sturmspitzen zu nahe. Es ist das taktische Luxus-Problem eines Aufsteigers.

Mintal nickt artig, wenn er davon hört. „Nein, nein“, sagt er, als Torjäger sehe er sich gar nicht, und auf dem Platz würden die Zuständigkeiten schon geregelt, denn mit Stürmer Robert Vittek versteht er sich ohne viele Worte. Gemeinsam kam dieses Duo vor 18 Monaten nach Nürnberg; anders als Mintal war Vittek, 22, zu Hause schon ziemlich berühmt. Mit 16 galt Vittek als das größte Talent des Landes, ehe er nach einem Kreuzbandriss aus dem Blickfeld internationaler Spitzenklubs verschwand.

Der Jüngere tritt selbstbewusster auf, er spielte beim Hauptstadt-Klub Slovan Bratislava, während Mintal leidlich unbeobachtet in der Provinz beim MSK Zilina aufwuchs. Im Nationalteam ist Vittek neben Szilard Nemeth (Middlesbrough FC) und Vratislav Gresko (Blackburn Rovers) der Star. Mintal, so erfährt man von slowakischen Medienvertretern, stellt sich da gerne noch hinten an. Ein Anführer wie Vittek, sagt Wolfgang Wolf, sei Mintal von seinem Naturell her nicht.

Auch in der Nationalmannschaft ist er inzwischen etabliert – dank seiner Leistungen in Nürnberg, wohin ihn Trainer Wolf auch mit Hilfe des Röthenbacher Kfz- Händlers Peter Hammer lotste. Der dem Club verbundene Fußball-Fan war geschäftlich in der Slowakei unterwegs, als Wolf ihn telefonisch um Rat in Sachen Autokauf erreichte. Der Bitte, en passant noch nach Marek Mintal zu sehen, kam Hammer gerne nach – und weil der Bericht die positiven Eindrücke des Trainers bestätigte, kam der glücklichste Transfer der jüngeren Vereinsgeschichte ohne große Probleme zustande. In Nürnberg ist Marek Mintal längst „auf seine Art unersetzbar“, wie Wolf erklärt. Den Vertrag hat der Verein schon bis 2008 verlängert, potenzielle Interessenten schreckt der Coach mit der Rechnung ab, „dass die Ablöse Woche für Woche steigt“.

Präsident Michael A. Roth nennt Mintal „unser Tafelsilber“, das er trotz aller finanzieller Nöte des Traditionsvereins für vorerst unverkäuflich erklärt hat. Und Marek Mintal selbst? Setzt auf die Frage nach seinen Plänen das Marek-Mintal-Lächeln auf. Dann ist er wieder mal verschwunden.

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