Sport : Der Torwart winkt ein letztes Mal

Tomas Pöpperle war der Liebling der Eisbären-Fans – nun verlässt er den Klub

Claus Vetter

Berlin - Viel von der deutschen Sprache hat Tomas Pöpperle in einem halben Jahr in Berlin nicht mitbekommen. Immerhin kann der junge Tscheche eine Phrase besonders gut: „Deutscher Meister EHC“. Das nämlich skandierte der 21 Jahre alte Torhüter der Eisbären am Montag im Sportforum nach dem Gewinn der Finalserie gegen Düsseldorf nicht nur einmal. In Schwitzwäsche – so nennt der Eishockeyprofi das, was er unter der Ausrüstung trägt – und Badelatschen marschierte Pöpperle durch den VIP-Raum, den Pokal vor sich hertragend und dauersingend.

Es war ein großer Moment für den Mann ohne Faible für Fremdsprachen, aber mit den starken Reflexen im Tor. Pöpperles Anteil am zweiten Titel der Eisbären ist hoch. „Als er kam, wurden wir stärker“, sagt Kapitän Steve Walker. Pöpperle kam Ende Oktober nach Berlin, nachdem er bei den Columbus Blue Jackets trotz eines Drei-Jahres-Vertrages keine Chance in der National Hockey League (NHL) bekommen hatte. Im Heimatklub Sparta Prag, bei dem er in der Vorsaison 25-mal spielte, war er nur noch Reserve. Da bot sich ihm die Chance in Berlin, weil sie dort mit den 19 Jahre alten Torhütern Youri Ziffzer und Daniar Dshunussov unzufrieden waren. Am 1. November debütierte Pöpperle beim 2:3 gegen Ingolstadt im Eisbären-Tor, er sollte der Berliner Defensive in 30 Hauptrundenspielen danach mehr Halt geben.

In den Play-offs war Pöpperle sogar der Goalie mit der besten Fangquote in der Deutschen Eishockey-Liga, kassierte nur 2,11Tore im Schnitt. Das kam nicht von ungefähr: Pöpperle ist ein harter Arbeiter. Im März ließ er sogar seinen Prager Torwarttrainer nach Berlin kommen. „Wir hätten im November auch Roman Cechmanek haben können“, sagt Peter John Lee, der Manager der Eisbären. Der Weltklassetorwart, der dann nach Hamburg ging, war schon 34. „Von ihm hätten unsere jungen Torhüter nicht gelernt, was man machen muss, um nach oben zu kommen. Pöpperle hat nicht mehr Talent als Youri oder Daniar. Er hat sich nur besser entwickelt.“ Kommende Saison könnten Ziffzer und Dshunussov wieder eine Chance bekommen. Am 22. Mai beginnen sie mit dem Training. Lee verlangt, „dass die sich reinhängen“. Denn Pöpperle wird Berlin verlassen. „Zu 90 Prozent gehe ich in die NHL“, sagt er. „Zu zehn Prozent zurück nach Prag.“ Und zu 100 Prozent wird der Torwart, der sich in Berlin „sehr wohl gefühlt hat“, im Mai zum Kader von Weltmeister Tschechien bei der WM in Lettland gehören.

Immerhin hat Pöpperle in Berlin ein wenig Englisch gelernt, das sollte ihm in Columbus helfen. Und im Notfall bleibt ja noch die nonverbale Kommunikation: Wann immer die Eisbären-Fans seinen Namen skandierten, bedankte sich Pöpperle mit einem Winken – so kritisch die Spielsituation gewesen sein mag. Was die Interaktion mit den Fans betraf, war Tomas Pöpperle für die Berliner ein Gewinn. Was seine Leistung betraf, war er das für den Deutschen Meister sowieso.

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